Zentralbanken bald mit eigenem Kryptogeld?

Bitcoin wurde einst als Alternative, ja sogar als Rebellion gegen das bisherige Zahlungssystem entworfen. Ziel war bzw. ist es, eine Welt ohne Zentralbanken zu schaffen, ohne Geschäftsbanken, selbst der Staat soll keine Kontrolle mehr ausüben können. Sicherlich, ein sehr ambitioniertes Ziel. Mittlerweile ist Bitcoin jedoch immer noch weit entfernt davon, die etablierten Systeme abzulösen. Nicht wenige glauben auch gar nicht daran, dass es die Kryptowährung jemals schaffen wird. So verrückt sich das jetzt vielleicht anhört, aber genau die Technologie hinter Bitcoin, die Blockchain, könnte sich jedoch als Standard für die heutigen Fiat-Währungen etablieren. Mit anderen Worten: Zentralbanken erschaffen ihre eigene Kryptowährung. Verrückt? Nein, ganz im Gegenteil. Es gibt sie sogar schon teilweise. Prominentes Beispiel ist Schweden, wo im Jahr 2019 vielleicht die E-Krona eingeführt werden soll. Ebenfalls eine Art elektronisches Bargeld.

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Bargeld wird mehr und mehr verdrängt

Die Zentralbanken registrieren, dass das klassische Bargeld mehr und mehr verdrängt wird. Das ist grundsätzlich auch nicht weiter tragisch. Im Laufe der Menschheitsgeschichte wurde die Art des Tauschens bzw. das Tauschmittel mehrfach geändert. Warum muss Papiergeld und Münzen weiter Bestand haben? Es muss nicht, wenn es Alternativen gibt. Zum Beispiel zahlen immer mehr Menschen mit Kreditkarte oder girocard. Oder denken wir nur mal an Online-Banking, Paypal usw. Hier handelt es sich sogar teilweise um Drittanbieter bzw. private Unternehmen. Überweisungen im Online-Banking werden auch nicht von einer Zentralbank durchgeführt. Und Geld, welches auf dem Girokonto liegt, ist ebenfalls nicht dem Bargeld gleichzusetzen. Es handelt sich um Verbindlichkeiten einer Bank gegenüber dem Kunden. Kryptowährungen könnten ebenfalls dazu beitragen, dass sich das heutige Zahlungssystem ändern wird. Zugegeben, das wird nicht über Nacht passieren.

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Das soll natürlich auch nicht heißen, dass Bargeld keinerlei Vorteile hätte. Der wohl größte Vorteil ist die Anonymität. Jeder kann es besitzen, ohne dass jemand anders davon erfährt. Man kann es irgendjemandem geben ohne dessen Namen zu kennen. Das ist im Online Banking beispielsweise nicht möglich. Dennoch wird Bargeld mehr und mehr verdrängt und die Banken suchen nach Alternativen. Eine staatliche Kryptowährung bzw. ein staatlicher Bitcoin könnte die Lösung sein.

BIZ empfiehlt Kryptogeld der Zentralbanken

In ihrem neuen Quartalsbericht empfiehlt die BIZ (Bank für internationalen Zahlungsausgleich), die Zentralbank der Zentralbanken, sich eingehender mit Kryptowährungen zu beschäftigen. Sie stellen sich darunter eine Art „neue Form des Zentralbankgeldes“ vor. Darauf hätte dann jeder Zugriff, indem Nutzer Euro in diese staatliche Kryptowährung konvertieren bzw. andersherum.

Als Beispiel wird die Riksbank von Schweden hingestellt. Sie erforschen in einem Projekt die Einführung eines staatlichen Kryptogeldes, die sogenannte E-Krona. Das gerade Schweden solch ein Projekt startete, sollte nicht weiter verwundern. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt ist Schweden das Land, dass am wenigsten Bargeld vorweist. In einigen Läden können Kunden zum Beispiel schon gar nicht mehr mit Bargeld zahlen, sondern nur noch mit Karte. Bereits 5 Millionen Schweden nutzen die Smartphone App Swish, um Geld in Echtzeit von einem Kunden zum anderen zu senden. Die App wurde herausgegeben von den schwedischen Banken. Bei einer Einwohnerzahl von 10 Millionen, eine beachtliche Zahl.

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Zentralbanken suchen Ersatz für Bargeld

Warum gehen Zentralbanken bzw. die BIZ jetzt dazu über, Empfehlungen für Kryptowährungen auszusprechen? Wo doch einige, wie der JPMorgan Chef der Meinung sind, dass Bitcoin Betrug ist. Die Sache ist ganz klar: Der Druck wächst. In vielen Ländern wird Bargeld, wie wir es bereits beschrieben haben, immer mehr verdrängt. In dem Moment, wo Menschen Geld auf einem Girokonto haben, haben sie letzten Endes nur noch Verbindlichkeiten gegenüber privaten Unternehmen. Etwas anderes sind Banken nicht. Zentralbanken verlieren zusehends den „Kontakt“ zu den Bürgern.

Währungshüter schätzen Bargeld jedoch in gewisser Weise für seine stabilisierende Funktion. Vor allem in Krisenzeiten. Daher versuchen sie eine Art Ersatz zum Bargeld zu schaffen, um dieses stabilisierende Element beizubehalten. Allerdings wollen sie nicht direkt Bitcoin nutzen. Dafür jedoch die Technologie, die dahinter steckt, Blockchain. Die Blockchain könnte dir Grundlage sein, für ein von der Zentralbank ausgegebenes Kryptogeld. Gibt es bereits Notenbanken, die diesen Schritt konkret verfolgen? Ja.

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Diese Notenbanken haben bereits ihre eigene Kryptowährung

Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass es bereits einige Notenbanken gibt, die ihre eigene Kryptowährung haben bzw. gerade dabei sind, eine zu entwickeln. Das Beispiel von Schweden mit der E-Krona wurde bereits genannt. Politiker wie Putin befürworten die Blockchain Technologie ebenfalls.

Ecuador ist einen ganzen Schritt weiter und führte bereits „dinero électronico“ (elektronisches Geld) ein. Bürger des Landes haben damit die Möglichkeit, US-Dollar auf ein Konto bei der ecuadorianischen Zentralbank einzuzahlen und im Gegenzug „dinero électronico“ zu erhalten, sprich eine Art Bitcoin zu kaufen. Zugegeben, mit der ursprünglichen Idee von Bitcoin hat das noch nicht viel gemeinsam, aber es zeigt, in welche Richtung das alles gehen wird. Ecuador nutzt seit der Währungskrise im Jahr 2000 komplett US-Dollar als offizielle Währung des Landes.

Uruguay ist ein weiteres lateinamerikanisches Land, welches aktuell an einem Zentralbank-Bitcoin arbeitet. Mario Bergara, Präsident der Notenbank äußerte sich dahingehend, dass zunächst einige Nutzer dabei helfen, eine Smartphone App für den Kapitalverkehr zu testen. Mit der App sollen jedoch nicht einfach nur Überweisungen getätigt werden können, was ja heute auch schon möglich ist, sondern zum Beispiel auch Rechnungen gespeichert und versandt werden. Noch ist man aber nicht an dem Punkt, das Ganze auch für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Auch Indien hatte angekündigt, eine digitale Rupie testen zu wollen. Dort greift man auf die Blockchain Technologie zurück, um das Land in Richtung vollständig digitalisierte Volkswirtschaft zu führen. Langfristig soll die digitale Rupie die derzeitige Währung ersetzen.

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Auch in Deutschland arbeiten Bundesband und die Deutsche Börse an einem gemeinsamen Projekt.

Der wohl bekannteste Vertreter eines Zentralbank Kryptogelds ist die USA, besser gesagt die FED. Dort spricht man über die Idee des „FedCoins„. Dieser soll 1:1 gegen US-Dollar getauscht werden können. In der Handhabung wäre er jedoch genauso anonym wie Bargeld. Die Autoren selbst schreiben dazu:

„Es mag seltsam erscheinen, dass eine Zentralbank eine Kryptowährung herausgibt, die Anonymität bereitstellt. Aber das ist genau das, was sie mit Bargeld schon tut.“

Wie müsste denn ein staatliches digitales Geld aussehen? Die BIZ hat dazu vier Kriterien aufgestellt:

4 Kriterien
  • Für jeden Nutzer zugänglich
  • Muss ausschließlich elektronisch verfügbar sein
  • Wird von der Zentralbank herausgegeben
  • Peer to Peer (P2P), wird also von einem Nutzer direkt zum anderen geschickt, nicht wie heute den Umweg über private Unternehmen (Banken)

Gerade den letzten Punkt kann heute keine Bank erfüllen. Geld wird niemals direkt zwischen Nutzern bzw. Kunden überwiesen, sondern nur von Bank zu Bank, die es wiederum den Kunden als Verbindlichkeit/Forderung gutschreibt.

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Kritiker warnen

Kritiker warnen im Allgemeinen vor den möglichen negativen Folgen eines staatlichen Bitcoins. Sie könnten niemals Ersatz für Bargeld sein. Auf Knopfdruck könnte dass bisherige Geld damit quasi entwertet werden. Auch wenn staatliches Kryptogeld anonym ist, genau wie Bargeld, bietet es doch keinen Schutz gegen Negativzinsen. So einfach und schnell wird es wohl nicht zur Abschaffung des Bargelds kommen, zumindest nicht im globalen Stil.

Es wäre auch ein herber Schlag für die „etablierten“ Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum, wenn von staatlicher Seite ein „offizielles“ digitales Geld eingeführt wird, bevor sich Bitcoin & Co. überhaupt etablieren konnten. Auch die Sicherheit spielt ein zentrales Thema, bei dem längst noch nicht alle Probleme gelöst sind.

Wie sieht es auch mit der Geldpolitik der Notenbanken aus? Wie bereits erwähnt, könnten Notenbanker einen Strafzins auf digitales Geld erheben, was ja beim Bargeld bisher nicht möglich ist. Damit könnte der Geldwert des staatlichen Bitcoins per Knopf radikal geändert werden. Ein Horror für einige Nutzer heute.

Fazit: Rege Forschung, doch staatlicher Bitcoin wird Fiat Währung wohl nicht so schnell ablösen

Oft überschätzen wir, was wir in einem Jahr erreichen können. Doch gleichzeitig unterschätzen wir, was in 10 Jahren möglich ist. Mit dem staatlichen digitalen Geld wird es wohl genauso sein. So schnell, dass wir in einem Jahr nur noch mit Zentralbank-Kryptogeld zahlen wird es wohl nicht kommen. Doch in 10 Jahren mag die Sache schon ganz anders aussehen.

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Ruben Wunderlich

Ruben Wunderlich

Redakteur bei Bitcoinmoney.net
Ruben Wunderlich absolvierte eine Ausbildung zum Bankkaufmann sowie ein BWL-Studium. Danach war er 6 Jahre im Finanzsektor tätig. Dieses Wissen nutzt er seit einigen Jahren für seine freiberufliche Tätigkeit als Finanzredakteur. Ruben präsentiert Euch auf Bitcoinmoney.net aktuelle News und Entwicklungen aus der Welt der Kryptowährungen.
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