Wirtschaftswissenschaftler für Abschaffung des Bargelds

Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger hat sich für die Abschaffung des Bargelds ausgesprochen. „Bei den heutigen technischen Möglichkeiten sind Münzen und Geldscheine tatsächlich ein Anachronismus“, äußerte sich der Wirtschaftswissenschaftler gegenüber dem Hamburger Magazin „Spiegel“ am vergangenen Samstag. Und damit ist er nicht allein. Auch andere führende Köpfe aus Wirtschaft und Politik sprechen sich für eine Welt ohne Bares aus. So forderten bereits vor einiger Zeit der Ex-Finanzminsiter Larry Summers, sowie der ehemalige IWF-Chefökonom Kenneth Rogoff die Abschaffung des Bargelds.

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Ruben Wunderlich

Ruben Wunderlich

Redakteur bei Bitcoinmoney.net
Ruben Wunderlich absolvierte eine Ausbildung zum Bankkaufmann sowie ein BWL-Studium. Danach war er 6 Jahre im Finanzsektor tätig. Dieses Wissen nutzt er seit einigen Jahren für seine freiberufliche Tätigkeit als Finanzredakteur. Ruben präsentiert Euch auf Bitcoinmoney.net aktuelle News und Entwicklungen aus der Welt der Kryptowährungen.
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Der Zahlungsverkehr würde durch Bargeld „ungemein“ erschwert, so ein Argument Bofingers. Als Beispiel führte er die verlorene Zeit an, wenn Menschen an der Ladenkasse nach Kleingeld suchen und die Kassiererin nach dem Wechselgeld. Wichtiger seien natürlich noch ganz andere Gründe.

Gründe für eine Welt ohne Bargeld

Bedeutender als der zeitliche Aspekt sind jedoch andere Gründe. Laut Bofinger würden die „Märkte für Schwarzarbeit und Drogen austrocknen“. Interessanterweise sind fast ein Drittel des Euro-Bargelds 500-Euro-Scheine. „Fürs Einkaufen braucht die niemand, damit wickeln lichtscheue Gestalten ihre Geschäfte ab“, so Bofinger. Damit das Projekt auch Sinn macht, müssten natürlich der gesamte Euroraum, Großbritannien, die Vereinigten Staaten und auch die Schweiz mehr oder weniger gleichzeitig das Bargeld abschaffen. Anfang Juni findet der G-7-Gipfel in Bayern statt. Wenn es nach Bofinger geht, wäre das auch „ein gutes Thema für die Agenda des G-7-Gipfels“.

Andere Befürworter führen ebenfalls das Argument an, dass man nur ohne Papiergeld Schwarzarbeit, Steuerbetrug, Drogengeld und andere wirtschaftliche Kriminalität effektiv bekämpfen kann.

Ex-Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer, fordert ebenfalls das Ende des Papiergelds. In seinem Buch „Die neue Ordnung des Geldes – Warum wir eine Geldreform brauchen“ beschäftigt er sich mit der Thematik. Er führt jedoch andere Gründe an. Seiner Meinung nach ist unser derzeitiges Geldpapiersystem Schuld an der Misere. Banken und Zentralbanken schaffen quasi aus dem Nichts immer mehr Geld. Damit dämmen sie zwar die eine Krise etwas ein, schaffen jedoch eine neue. Etwas martialisch drückt sich Mayer weiter aus, indem er davon spricht, dass diese Entwicklung in eine Art Sozialismus führen würde. Für Mayer ist klar: „Weil der Sozialismus ins Verderben führt, ist das Kreditsystem, das den Sozialismus befördert, gefährlich.“
An dieser Stelle muss gesagt werden, dass die sehr ausführliche Darlegung Mayers sicherlich einige interessante Betrachtungsweisen bietet, es allerdings sehr radikal-liberale Gedanken sind.

Doch wollen wir den Gedanken einfach mal etwas weiter spinnen und stellen die Frage: Gibt es überhaupt Alternativen zu unserem heutigen Papiergeld?

Bitcoin – die Alternative?

Der Ex-Chefvolkswirt der Deutschen Bank hat natürlich auch eine Antwort auf diese Frage. Und die lautet: „Aktivgeld“. Doch was soll dieses Aktivgeld bitteschön darstellen? „Geld, das im Gegensatz zum Kreditgeld nicht durch ein Schuldverhältnis zustande kommt, sondern auf einem Aktivum beruht“. Soweit so gut. Im Klartext bedeutet das: Er fordert ein Geldsystem, bei dem das Geld nicht beliebig vermehrbar ist. Er und auch die Redaktion von N-TV scheuen sich in diesem Zusammenhang nicht, die Onlinewährung Bitcoin anzusprechen.

So wäre bei Kryptowährungen die Geldmenge von vornherein begrenzt – beispielsweise auf 21 Millionen Bitcoins. Mehr geht nicht. Banken wären im Bitcoin-System mehr oder weniger überflüssig.

Das Bitcoins den Euro, oder auch eine andere Währung, gleich vollständig ablösen, hält selbst Mayer für sehr unwahrscheinlich. Vielmehr sieht er und andere Verfechter dieser Idee die Digitalwährung zunächst als Parallelwährung. Auch bei einem möglichen Griechenland-Austritt aus der EU, wird diese Variante diskutiert.

Verfechter dieses Vorhabens sprechen auch von einem Währungswettbewerb. Verschiedene Währungen, wie Euro, US-Dollar und auch Kryptowährungen, beispielsweise Bitcoin, würden parallel als anerkanntes Zahlungsmittel nebenher laufen. Das Angebot und die Nachfrage würden dann den „Preis“ regeln. Zentralbanken wären demnach sehr darauf bedacht, ihre Währung so gut es geht stabil zu halten.

Zugegeben – die aktuelle Diskussion klingt teilweise schon sehr abstrakt und theoretisch. Gibt es denn auch Berechtigungsgründe für das Papiergeld?

Nur Bares ist Wahres – Warum auch Bargeld seinen Sinn hat

Das Argument, dass durch die Abschaffung des Bargelds die kriminelle Energie gestoppt wird, kann man wohl kaum so stehen lassen. Auch bei Bitcoins gab und gibt es Mittel und Wege, diese für kriminelle Machenschaften zu nutzen. Das macht Bitcoins deshalb aber nicht schlecht! Aber eben auch nicht besser.

Allerdings gibt es weit bedenklichere Gründe, die gegen eine völlige Abschaffung des Bargelds sprechen. Was passiert beispielsweise, wenn bargeldlose Zahlungen von Behörden oder Unternehmen legal einsehbar wären? Die Online-Redaktion von N-TV hat sich in dem oben genannten Artikel ebenfalls mit dieser Frage beschäftigt: „Eine Pflege-Zusatzversicherung für diesen Fast-Food-Liebhaber? Lieber nicht. Diese Frau hat in den vergangenen Monaten mehrere Schwangerschaftstests gekauft? Dann ist der Managerposten wohl erstmal nichts für sie.“. Das sind sehr interessante Überlegungen! Bargeld hat auch immer etwas mit persönlicher Freiheit zu tun. So manch einer zahlt heute bereits ganz bewusst nicht mit EC- oder Kreditkarte.

Das heutige Papiergeld wird also demnächst nicht verschwinden. So muss auch der Straßenmusiker noch nicht auf Kartenlesegeräte umsteigen…