Die schweizerische Stadt Zug leitet Revolution des internationalen Finanzsystems ein

Ob für die Digitalisierung von behördlichen Diensten die Bitcoin- und Blockchain-Technologie geeignet ist, prüfen derzeit nicht nur die polnische Regierung, sondern auch andere Staaten. Die Stadt Zug in der Schweiz hat sich jedoch nicht erst langwierig mit den eventuellen Auswirkungen der Verschlüsselungstechnologie auseinandergesetzt, sondern gleich „Nägel mit Köpfen“ gemacht.

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Ruben Wunderlich

Ruben Wunderlich

Redakteur bei Bitcoinmoney.net
Ruben Wunderlich absolvierte eine Ausbildung zum Bankkaufmann sowie ein BWL-Studium. Danach war er 6 Jahre im Finanzsektor tätig. Dieses Wissen nutzt er seit einigen Jahren für seine freiberufliche Tätigkeit als Finanzredakteur. Ruben präsentiert Euch auf Bitcoinmoney.net aktuelle News und Entwicklungen aus der Welt der Kryptowährungen.
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Nachdem Ende April die Regierung von einem Studenten über die Mechanismen aufgeklärt wurde, die hinter der Kryptowährung stecken, eröffnete Stadtpräsident Dolfi Müller interessehalber selbst ein Bitcoin-Konto. Aufgrund seiner daraus resultierenden positiven Erfahrungen fiel im Mai die Entscheidung, dass ab dem 01. Juli anfallende Zahlungen bis zu einer Höhe von 200 Franken mit Bitcoins am Schalter der Einwohnerkontrolle gezahlt werden können. Bis Ende 2016 soll das Pilotprojekt zunächst befristet sein. Im Anschluss daran soll Bilanz gezogen werden.

Zug ist kein purer Zufall

Niklas Nikolajsen, Geschäftsführer und Mitbegründer der Bitcoin Suisse AG betont, dass es das erste Mal weltweit ist, dass Bitcoins auf staatlicher Ebene als Zahlungsmittel Akzeptanz finden. Nikolajsens Start-up-Unternehmen verkauft und kauft die Kryptowährung. Auch, wenn die Schweizer diese Pioniertat in der Mehrzahl nur nebenher mitbekommen haben, hat diese hingegen in der digitalen Finanzbranche und diesbezüglichen Foren große Wellen geschlagen.

Die die Stadt Zug den Anfang bei diesem durchaus kontrovers diskutierten Thema ist jedoch keineswegs zufällig. Mehr als 15 Unternehmen des Bereichs Blockchain und digitalisierter Finanzdienstleistungen sind seit den letzten zwei bis drei Jahren im Zentralschweizer Kanton angesiedelt. Die in Baar ansässige Bitcoin Suisse AG gehört ebenfalls dazu.

Mittlerweile sprechen, in Anlehnung an das kalifornische Silicon Valley, nicht mehr nur Wirtschaftsvertreter, sondern auch Politiker vom Crypto Valley am Zugersee. Stadtpräsident Müller begründet seine aktive Haltung damit, dass innerhalb der Strategie Zug 2035 beizeiten Erfahrungen mit dieser Technologie gesammelt werden sollten. Da Zug zukünftig eine Smart City werden soll, ist insbesondere im Finanzdienstleistungsbereich Offenheit unabdingbar. Der Präsident der Dachorganisation Bitcoin Association Switzerland, Luzius Meisser, äußert sich auch dahingehend, dass dies ein äußerst einflussreiches Marketingsignal darstellt. Für die Branche sei es wichtig zu erkennen, dass sie zukünftig durchaus willkommener sein dürfte, auch wenn der Einsatz von Bitcoins als Zahlungsmittel derzeit von staatlicher Seite aus noch nicht so gefragt sei.

Der mutige Schritt der Stadt Zug erfreut jedoch nicht alle. Die SVP sieht dieses rasante Voranschreiten als extrem bedenklich an. Laut SVP-Gemeinderat Gregor Bruhin handle es sich nämlich keineswegs um eine ausreichend sichere Währung. Technisch und auch von der Konzeption her, würde die Kryptowährung an Grenzen stoßen. Ebenso wenig vertrauensbildend dürfte die andauernde Diskussion im Hinblick auf die Frage nach dem Erfinder der Kryptowährung sein.

SVP sieht Gefahrenpotential

Die SVP machte die Zuger Stadtregierung im Stadtparlament mit einem eingereichten Vorstoss darauf aufmerksam, dass allein der Bund für das Geld- und Währungswesen zuständig ist. Ebenfalls wurde darauf hingewiesen, dass in der Schweiz per Gesetz das gesetzliche Zahlungsmittel und die offizielle Währungseinheit der Schweizer Franken sei. Bruhin befürchtet gar, dass das Pilotprojekt die Stellung des Bargeldes in Frage stellen könnte.

Der Kanton Zug hingegen zeigt sich wohlwollender. Volkswirtschaftsdirektor Matthias Michel sieht es positiv, dass die Bedingungen, in welcher Weise die Kyptorwährung akzeptiert wird, durch den Staat definiert wird. Gleichzeitig wies er jedoch auf darauf hin, dass die Entwicklungen genauestens verfolgt werden.

Weder die Stadt Zug noch der Kanton haben aktive daran gearbeitet, dass sich das sogenannte Crypto Valley entwickelt. Es wird seitens des Kantons Zug keinerlei Cluster- oder Industriepolitik betrieben, und auch finanzielle Mittel in Form von Steuerermäßigungen oder direkte Beiträge werden dafür aufgewendet.

Laut Michel passt der sich neu entwickelnde Cluster von Blockchain und Kryptowährungen äußerst gut in die Wirtschaftsstruktur der Stadt und des Kantons, da sich in den vergangenen 15 Jahren ein immenser Cluster ICT nebst einem Cluster Finanzdienstleister entwickelt hat.

Forderung nach Aufgabe der 1000er-Note

1000-franken-note-bitcoinDass sich eine solche Vielzahl unterschiedlicher Unternehmen im Kanton ansiedeln, hängt vorwiegend mit der individuellen Vernetzung der einzelnen Akteure zusammen. Nachdem sich vor drei Jahren der Südafrikaner Johann Gevers am Zugersee angesiedelt hat, zogen andere Vorreiter, angelockt von dem milden steuerlichen und sanft regulierten Umfeld, nach. Monetas, das Start-up-Unternehmen von Gevers, entwickelte eine App für den globalen Geldtransfer. Damit soll ohne Mitwirkung von Kreditinstituten weltweit das Tauschen von Währungen vereinfacht und vergünstigt werden.

Das Unternehmen Xapo, welches die geschützte Verwahrung von Bitcoins anbietet, gehört zu den Riesen der Blockchain-Branche. Lawrence Summer, amerikanischer Finanzminister unter Bill Clinton und zu späteren Zeiten Chefökonom der Weltbank, sitzt bei Xapo im Verwaltungsrat. Harvardprofessor Summers forderte in seiner Kolumne in der Financial Times, am 16.05.2016, die Schweiz sollte durch die Welt aufgefordert werden, keine 1.000er-Note mehr auszugeben. Aufgrund solcher Äußerung sieht sich die SVP selbstverständlich in ihren Befürchtungen bestätigt.

Auch, wenn sich Stadtpräsident Müller natürlich nicht ganz so weit vorwagen möchte, sieht er durchaus Ausbaufähigkeiten für die Benutzung von Bitcoins. So könnte er sich beispielsweise vorstellen, dass Steuerrechnungen in einem überschaubaren Zeitraum mit Bitcoins beglichen werden können. In Zug ist also der erste Schritt für die Revolutionierung des internationalen Finanzsystems gemacht worden.

Aber nicht nur die staatlichen Behörden von Zug haben diese neue Art der Bezahlung für sich entdeckt. Auch bei privaten Unternehmungen ist das Interesse sichtbar geweckt. Das Wiener Hotel Schani beispielsweise nimmt ebenfalls seit April 2016 Bitcoins als geldwertes Mittel an, wie das AHGZ schreibt.