Ripple überholt Bitcoin ?!

In den letzten Tagen berichteten viele Online Medien darüber, dass Ripple (XRP) Ethereum als zweitgrößte Digitalwährung ablöste, zumindest nach Marktkapitalisierung. Das ist nicht zuletzt dem rasanten Kursanstieg der „Kryptowährung“ geschuldet (XRP bzw. Ripple wird in der Krypto-Community meist gar nicht als Kryptowährung angesehen, daher in Anführungszeichen). Doch hat Ripple nur Ethereum überholt oder sogar auch Bitcoin vom Thron gestoßen? Wie kommen wir zu dieser Frage? Daniel Kühn, der Chefredakteur von godmode-trader.de beschreibt in einem Artikel seine Sicht auf die Dinge. Denn die Rangfolge nach der die Marktkapitalisierung aktuell berechnet wird, bezieht sich nur auf den Free Float, also auf die Tokens, die aktuell im Umlauf sind. Bei einer anderen Sichtweise, steht plötzlich Ripple auf Platz 1 und Bitcoin nur noch an zweiter Stelle.

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Wer hat die Nase vorn: Bitcoin oder Ripple?

Häufig beziehen sich die Aussagen nach der Marktkapitalisierung auf die Seite coinmarketcap.com. Auf der Startseite sehen Nutzer sofort die Rangliste aller Kryptowährungen sortiert nach Marktkapitalisierung. Da steht aktuell Bitcoin auf dem ersten Platz und darunter Ripple, gefolgt von Ethereum. Im Folgenden ein Screenshot der derzeitigen „Rangliste“:

bitcoin marktkapitalisierung

Lässt man die Standardeinstellung, so steht Bitcoin auf Platz 1. Gemessen am „Free Float“ der Kryptowährung.

Doch worauf beziehen sich die Daten bzw. wie setzt sich die Berechnung zusammen? Die Berechnung erfolgt anhand des Free Floats, sprich der Token, die aktuell am Markt für jeden Nutzer zugänglich sind. Bei Bitcoin sind das aktuell rund 16,8 Millionen Bitcoins. Bei Ripple sind es gut 38,7 Milliarden Coins. Wie die meisten Leser sicherlich wissen, werden derzeit noch Bitcoins durch Miner produziert, bis die Höchstgrenze von 21 Millionen Bitcoins im Jahre 2140 erreicht ist – zumindest theoretisch. Bei Ripple sieht das jedoch etwas anders aus. Hier gibt es kein Ripple Mining. Es sind bereits alle Token produziert worden, insgesamt 100 Milliarden. Allerdings sind eben von den 100 Milliarden XRP derzeit nur rund 38,7 Milliarden Tokens im Umlauf. Der Rest wird von RippleLabs selbst gehalten, wobei derzeit monatlich 1 Milliarde XRP freigegeben werden. Die Berechnung auf der Startseite von coinmarketcap legt zunächst nur die Zahl von 38,7 Milliarden XRP zugrunde. Was aber wäre, wenn wir die Einstellung so verändern, dass die gesamten bereits produzierten Tokens in die Berechnung mit einfließen würden? Dazu muss der Nutzer auf „Coins“ klicken und danach „Market Cap by Totaly Supply“ auswählen. Dann sieht es plötzlich ganz anders aus, nämlich so, dass Ripple auf Platz 1 ist und zwar mit einer Marktkapitalisierung von rund 331 Milliarden Dollar, während Bitcoin auf nur 278 Milliarden Dollar kommt.

ripple auf platz eins

Stellt der Nutzer die Ansicht jedoch so um, dass alle bisher erschaffenen Tokens mit in die Berechnung einfließen, ergibt sich plötzlich ein ganz anderes Bild.

Welche Berechnung ist nun die richtige?

Sollte die Berechnung nun anhand des Free Floats erfolgen oder nach der gesamten Marktkapitalisierung, unabhängig davon, wer wie viele Tokens hält? Selbstverständlich lässt sich darüber diskutieren. Doch schauen wir uns mal an, wie es im Allgemeinen im Aktienhandel gemacht wird – darauf weißt übrigens Daniel Kühn auch hin. An dieser Stelle wollen wir das Ganze mal mit einem Beispiel hinterlegen. Daniel Kühn nimmt als Beispiel die Apple Aktie, wir haben uns für den Gesundheitskonzern Fresenius (im DAX notiert) entschieden, da die unterschiedliche Berechnungsweise hier sehr deutlich wird.

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Es gibt aktuell 554,31 Millionen Fresenius Aktien. Eine Aktie kostet aktuell 66,80 Euro. Das ergibt eine Marktkapitalisierung von rund 37,03 Milliarden Euro, die auch auf allen gängigen Portalen so angezeigt wird. Das ist der Konzern aktuell wert. Wenn ein anderes Unternehmen alle Fresenius Aktien übernehmen, sprich kaufen, wöllte, müsste das Unternehmen diesen Preis zahlen. Allerdings sind nur 57,68 Prozent aller Aktien im Streubesitz. Der Rest wird von anderen Investoren gehalten und ist für „die Allgemeinheit“ nicht zugänglich. Würde man nun wie es des Öfteren bei Kryptowährungen gemacht wird, die Marktkapitalisierung anhand des „Streubesitzes“ berechnen, käme nur noch ein Marktwert von 21,36 Milliarden Euro heraus, also mehr als 40 Prozent weniger. 

Welche Berechnung ist jetzt die richtige? Tja, nur die Berechnung der gesamten Marktkapitalisierung zeigt, was die Aktie – oder die Kryptowährung – wirklich wert ist. Welchen triftigen Grund gibt es, den Marktwert nur nach dem Free Float zu berechnen? Bei Aktien berechnet niemand den Marktwert nach dem Free Float, weil das Unternehmen ja auch nicht nur „Free Float“ wert ist, sondern dem Wert aller Aktien entspricht, egal wer sie hält. Außerdem sind auch viele Bitcoins in „festen Händen“. Das müsste man dann wieder abziehen in der Berechnung. Zudem sind einige Millionen Bitcoin unwiederbringlich verloren. Daher ist die Gesamt-Marktwert-Berechnung in unseren Augen sinnvoller. Und da liegt Ripple derzeit auf Platz 1. Bei dieser Berechnungsform tauchen dann auch plötzlich Kryptowährungen auf, die den meisten wahrscheinlich unbekannt sind, wie zum Beispiel SolarCoin (auf dem vierten Platz) oder ATM Coin. Und Bitcoin Cash rückt dann vom vierten auf den siebten Platz zurück.

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Warum nimmt Ripple plötzlich Fahrt auf?

Aber wie gesagt, es lässt sich darüber streiten, welche Berechnungsform man zugrunde legt. Vor allem kann man auch darüber diskutieren, ob man Aktien mit Kryptowährungen vergleichen kann. Doch wie dem auch sei, nicht zu leugnen ist der starke Anstieg von Ripple in den letzten Wochen. Wie schon des Öfteren berichtet, ist Ripple in der Krypto-Welt regelrecht verhasst. Grund ist die völlig konträre Herangehensweise. Während Bitcoin & Co eine Alternative zum heutigen Geldsystem darstellt, möchte Ripple auf diesem aufbauen und kooperieren. Zu diesem Zweck arbeitet RippleLabs bereits heute mit mehr als 100 Banken zusammen. Das bisherige SWIFT-System, mit dem Überweisungen international abgewickelt werden, soll mit Ripple verändert, sprich abgelöst, werden. Kreditinstitute im Allgemeinen sind sehr an der Ripple Lösung interessiert, da sich dadurch viele Milliarden Dollar pro Jahr an Kosten einsparen lassen. Nun ist das ja alles nicht Neues. Neu ist jedoch, dass gerade im Dezember eine Vielzahl an Banken aus dem asiatischen Raum, insbesondere Japan und Südkorea, für das Ripple Netzwerk gewonnen werden konnten. 

Im Gegensatz dazu will Südkorea den Bitcoin Handel stark regulieren. Auch darüber berichteten wir bereits. Das könnte natürlich dazu führen, dass der Handelsumsatz im Allgemeinen stark zurückgeht. Vor allem da Südkorea derzeit der wichtigste globale Standort für den Bitcoin Handel ist. Experten sehen in Ripple jedoch viel eher die Chance, dass XRP einer Regulierung standhalten könnte. Schon allein deshalb, weil die digitale Währung ja mit den Institutionen zusammenarbeiten will, was bei Bitcoin nicht der Fall ist.

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Ripple dennoch hoch spekulativ

Das alles soll jedoch nicht bedeuten, dass ein Investment in Ripple nun völlig bedenkenlos sei. Geldanlagen in Kryptowährungen wie Bitcoin, Ether, XRP, Monero, Litecoin usw. sind immer hoch spekulativ. Wir gehen zwar davon aus, dass die Technologie dahinter, oft ist es die Blockchain Technologie, mit sehr großer Wahrscheinlichkeit erhalten bleibt und unsere Welt verändern wird. Doch ob die einzelnen Kryptowährungen Bestand haben werden, ist fraglich. Die meisten heute existierenden Altcoins werden definitiv die nächsten Jahre oder Jahrzehnte nicht überstehen. Das könnte bei Ripple ebenfalls der Fall sein, was aber heute niemand weiß.

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Fazit: Berechnungsform auch irgendwo eine Glaubensfrage

Welche Berechnung jemand zugrunde legen wird, ob nun Ripple oder Bitcoin auf Platz 1 nach Marktkapitalisierung ist, ist auch irgendwo eine Glaubensfrage. Anhänger von Bitcoin werden sich immer auf die für sie günstigere Variante entscheiden, genauso sieht es bei Ripple-Fans aus. Allerdings sollten Anleger auch bedenken, dass ja nun jeden Monat 1 Milliarde XRP freigegeben werden. Würde man nun den aktuellen Ripple Kurs von 3,30 Dollar zugrunde legen, bedeutet das ein monatlicher Anstieg der Marktkapitalisierung von 3,3 Milliarden Dollar – ohne eine Kursveränderung. Zwar werden auch Bitcoins geschaffen, aber nicht in dem Ausmaße. Vor allem wird die Mining-Ausbeute ständig geringer. Doch das ist natürlich auch wieder sehr spekulativ, denn der Ripple Kurs wird ja wohl die nächsten Monate nicht in eine Seitwärtsphase übergehen. Kryptowährungen im Allgemeinen sind ja bekannt für ihre starke Volatilität, was bestimmt auch die nächsten Monate so bleiben wird.

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Ruben Wunderlich

Ruben Wunderlich

Redakteur bei Bitcoinmoney.net
Ruben Wunderlich absolvierte eine Ausbildung zum Bankkaufmann sowie ein BWL-Studium. Danach war er 6 Jahre im Finanzsektor tätig. Dieses Wissen nutzt er seit einigen Jahren für seine freiberufliche Tätigkeit als Finanzredakteur. Ruben präsentiert Euch auf Bitcoinmoney.net aktuelle News und Entwicklungen aus der Welt der Kryptowährungen.
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