Nur Kriminelle nutzen Bitcoin?! – Wohl kaum…

Eine Deutsche Tageszeitung schrieb diese Woche in ihrer Onlineausgabe, dass gemäß einer US-Amerikanischen Studie hauptsächlich Kriminelle und Betrüger die Kryptowährung Bitcoin nutzen. Wer sich genauer mit der Studie und den Hintergründen beschäftigt, wird schnell merken, dass da einiges nicht so richtig stimmen kann. Zugegeben, jede Studie hat Schwachstellen auf denen man herumreiten kann, aber die Schlussfolgerungen, die aus der Studie gezogen werden, sind doch mehr als fraglich.

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Ruben Wunderlich

Ruben Wunderlich

Redakteur bei Bitcoinmoney.net
Ruben Wunderlich absolvierte eine Ausbildung zum Bankkaufmann sowie ein BWL-Studium. Danach war er 6 Jahre im Finanzsektor tätig. Dieses Wissen nutzt er seit einigen Jahren für seine freiberufliche Tätigkeit als Finanzredakteur. Ruben präsentiert Euch auf Bitcoinmoney.net aktuelle News und Entwicklungen aus der Welt der Kryptowährungen.
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Zum Hintergrund: Wer nutzt Bitcoins?

Ökonomen der Universität Kentucky wollten herausfinden, wer in erster Linie die Online-Währung Bitcoin nutzt. Da es keine Aufzeichnungen darüber gibt, wer konkret Bitcoin nutzt, mussten die Wissenschaftler einige Umwege gehen. Zwar wird jede Transaktion aufgezeichnet und die Anonymität ist nicht zu 100 Prozent garantiert. Allerdings kann man ja nicht jede Transaktion überprüfen, das heißt wer, wann und für was Bitcoin zahlte.

Die Ökonomen wählten daher einen Weg über Google Trends. Sie versuchten herausfinden, mit welchen anderen Suchbegriffen Bitcoin kombiniert wird. Wenn beispielsweise jemand „Bitcoin Drogen kaufen“ eingibt, dann kann geschlussfolgert werden, dass derjenige Drogen mit Bitcoins kaufen möchte. Natürlich war den Wissenschaftlern auch bewusst, dass eine Google Suche noch nicht indiziert, dass jemand im Anschluss das auch in die Tat umsetzt. Doch andere Studien wiederum bewiesen, dass eine starke Korrelation besteht zwischen der Google Suche und Umsetzung in die Praxis.

Dabei wurden vor allem 4 Gruppen untersucht, die wahrscheinlich Bitcoin am meisten nutzen: Computer-Freaks, Spekulanten / Investoren, politisch Motivierte und Kriminelle. Jeder dieser Gruppe wurden spezielle Suchbegriffe zugeordnet, die wahrscheinlich bei Google eingegeben werden.

Die komplette Studie kann hier nachgelesen werden.

Die Schlussfolgerungen der Studie…

Die Studie kam zu dem Schluss, dass vor allem die Gruppen Computer-Freaks und Kriminelle Bitcoins nutzen. Spekulanten und politisch Motivierte, die Kryptowährungen beispielsweise als Gegenpol zum klassischen Bankensystem nutzen, spielten demnach in der Praxis so gut wie gar keine Rolle. Die Ökonomen erwarteten, dass Computer-Nerds eifrige Nutzer der Digitalwährung sind. Schließlich sind sie es, die Bitcoins „schürften“ und damit „herstellen“. Auch das Kriminelle die Kryptowährung für ihre Zwecke nutzen, war naheliegend. Polizei und andere Bundesbehörden sind noch relativ unerfahren bzw. häufig nicht ausreichend ausgerüstet um Kriminelle im Bitcoin Netzwerk zu verfolgen. Sicher gibt es auch Ausnahmen, wie die Zerschlagung der Silk Road bewiesen hat – und es gibt Probleme mit Bitcoins.

Doch das Kritiker der Notenbanken kaum eine Rolle spielen, war etwas überraschend. Denn schließlich wurden Bitcoin doch als Alternative zum heutigen Geldsystem erschaffen worden.

Die Kritik an der Studie bzw. den Schlussfolgerungen

Es muss gesagt werden, dass es schwierig ist, seriös nachzuvollziehen, wer Bitcoins in der Praxis hauptsächlich nutzt. Der Ansatz über Google Trends ist dabei sicherlich eine von mehreren Möglichkeiten. Doch um die Schlussfolgerungen zu bewerten hier einige Denkanstöße:

  1. Die Studie untersuchte das Suchvolumen von 2011-2013. Bitcoins unterliegen einem rasanten Wandel. Die Kryptowährung ist mittlerweile viel populärer geworden. Heute gibt es viel mehr und auch andere Nutzergruppen als vor einigen Jahren.
  2. Große Abhängigkeit von der Auswahl der Suchbegriffe. Je nachdem welche Suchbegriffe hier ausgewählt werden, beeinflusst das entscheidend die Resultate. Für die Nutzergruppe der Spekulanten, wurden einfach nur 2 Suchbegriffe genutzt: „Free Market“ und „Make Money“. Die tatsächlichen Suchbegriffe dürften wohl weitaus breiter gefächert sein. (Wenn ich die Studie richtig verstanden habe, dann wurden generell nur 5 verschiedene Suchbegriffe genutzt – das wäre viel zu wenig und nicht aussagekräftig)
  3. Rückschluss vom Suchwort auf die Praxis hat seine Tücken Wer beispielsweise „Bitcoin Silk Road“ eingibt, wurde automatisch in die kriminelle Ecke gesteckt. Aber auch Journalisten, Unwissende oder andere Bitcoin Nutzer, die sich darüber einfach nur informieren wollten, haben dieses Suchwort eingegeben. Nicht jeder wird sicherlich anschließend gleich mit Waffen und Drogen handeln. Außerdem: Warum sollte ein Waffenhändler bei Google „Bitcoin Silk Road“ eingeben?! Er nutzt garantiert andere Mittel und Wege um seine Waren zu verkaufen. Auch wenn er über die Silk Road verkaufen wollte, ist es doch fraglich, ob er da gerade über Google versucht Kontakte aufzubauen.

Keine Frage, Bitcoins werden von Kriminellen genutzt, sicherlich auch in nicht geringem Umfang. Na und? Macht diese Tatsache allein Bitcoin zu etwas Schlechtem? Keineswegs. Wie viele US-Dollar oder Euros werden denn für kriminelle Machenschaften genutzt? Mit Sicherheit ebenfalls in nicht geringem Umfang…

Was noch passierte: Mark Karpeles festgenommen

Bleiben wir beim Thema Bitcoin und Kriminalität 😉
Am Samstag, den 01.08.2015 soll der 30-Jährige Franzose Mark Karpeles in Japan festgenommen worden sein. Mark Karpeles ist wahrscheinlich denjenigen ein Begriff, die den Skandal um die Bitcoin Börse Mt.Gox mitverfolgt haben. Ihm wird vorgeworfen, 2013 illegal in das Computersystem der Börse eingegriffen und dieses zu seinen Gunsten verändert zu haben. Er ließ über seine Anwälte jedoch mitteilen, dass er jedes Fehlverhalten bestreite.
Mt.Gox musste im Februar 2013 den Handel mit Bitcoins aussetzen, danach verschwand die Plattform aus dem Netz. Angeblich sollen Bitcoins im Gegenwert von über 500 Millionen US-Dollar verschwunden worden sein. Mark Karpeles beharrt darauf, dass die Börse Opfer von Hackern wurde.

In Florida wurden vergangene Woche ebenfalls zwei Männer festgenommen, die über die Plattform coin.mx illegale Geschäft abgewickelt haben, so die Online Ausgabe der Bild Zeitung. Die Plattform soll für Kriminelle zur Lösegeldübergabe genutzt worden sein. Hacker hatten mit Hilfe von Schadsoftware die Computer von Privatpersonen und Firmen gesperrt und nur nach Zahlung eines Lösegelds wurden die Computer wieder freigegeben. Nach Angabe der Ermittlern floss das Geld über coin.mx anschließend auf Konten in Zypern, Osteuropa und Hongkong.