Kapitalverkehrskontrollen in Griechenland – Mit Bitcoin umgehen?

In den letzten Wochen war es einigermaßen ruhig geworden an den Bitcoin Börsen. Der Kurs schwankte seit Anfang des Jahres mehr oder weniger um die 230 US-Dollar Marke. Vergangene Woche erreichte der Bitcoin Kurs jedoch erstmals wieder die Marke von 257 US-Dollar. Entscheidend ist dabei jedoch weniger die Marke an sich, sondern das rasante Tempo. Man kann sagen, innerhalb weniger Stunden schnellte der Kurs um 10 Prozent nach oben. Die Theorien für den Kursanstieg sind vielfältig.

Testsieger IQ Option überzeugt mit vielfältigem Krypto-Handelsangebot
  • 14 Kryptowährungen via CFD handelbar
  • Zeitlich unlimitiertes Demokonto
  • Mindesteinzahlung von 10 Euro/USD/GBP
Jetzt Krypto beim Testsieger IQ Option handeln!
Ruben Wunderlich

Ruben Wunderlich

Redakteur bei Bitcoinmoney.net
Ruben Wunderlich absolvierte eine Ausbildung zum Bankkaufmann sowie ein BWL-Studium. Danach war er 6 Jahre im Finanzsektor tätig. Dieses Wissen nutzt er seit einigen Jahren für seine freiberufliche Tätigkeit als Finanzredakteur. Ruben präsentiert Euch auf Bitcoinmoney.net aktuelle News und Entwicklungen aus der Welt der Kryptowährungen.
Ruben Wunderlich

Allerdings muss eines vorweg erwähnt werden: So spektakulär wie sich die Kursentwicklung anhört, so ist sie doch auch „normal“. Normal in dem Sinne, dass eine solche Volatilität bei Kryptowährungen häufiger vorkommt.

Viele Beobachter und Marktteilnehmer sprechen nun davon, dass der bevorstehende Grexit der Grund für die aktuelle Kursentwicklung sei. Wir berichteten bereits vor einigen Wochen, dass Bitcoin eine Parallelwährung beziehungsweise Alternative für die aktuelle Krise sein könnte. Auch der griechische Finanzminister Janis Varoufakis machte sich Gedanken über dieses Thema. Auf seinem Blog verfasste er im Februar 2014 einen Eintrag mit dem Titel: „Bitcoin: Ein fehlerhaftes Währungskonstrukt mit einer nützlichen Lehre für die Euro-Zone.“ In diesem Artikel vergleicht er die Digitalwährung mit dem Goldstandard der 1920er und 1930er Jahre. Der Ökonom warnt: „Der Bitcoin ist eine Hardcore-Version des Goldstandards.“ Für ihn ist Bitcoin sogar noch gefährlicher als der Euro. Als Alternative schlägt er ebenfalls eine Digitalwährung vor, die allerdings staatlich kontrolliert wird: FT-coins („Future Taxes“).

Die Onlineausgabe von „Die Welt“ befasst sich näher mit diesem Konstrukt von Janis Varoufakis und kommt zu dem Schluss: „Der Plan des Atheners ist daher zwar ein intellektuell spannendes Konstrukt, wird aber vermutlich eine Illusion bleiben. Realistischer scheint es, dass die von Varoufakis geschmähten Bitcoins eine Wiederentdeckung erleben.“

Eine Wiederentdeckung der Bitcoins

Wieso sollten Bitcoins in diesem Zusammenhang eine Wiederentdeckung erleben? Ein Blick in die jüngste Geschichte gibt uns die Antwort. 2013 führte Zypern in der Finanzkrise zunächst eine Beschränkung des Geldverkehrs ein, anschließend sogar eine teilweise Enteignung der Sparer. Guthaben über 100.000 Euro wurden zur Hälfte einbehalten, um den Staatshaushalt zu sanieren.

Exakt dieselbe Vorgehensweise droht jetzt in Griechenland. Bürger dürften dann nur noch beschränkt über ihr Guthaben verfügen und Überweisungen ins Ausland würden von Behörden kontrolliert und müssten genehmigt werden.
Aaron König sieht einen Weg, wie sich Sparer diesen Kontrollen entziehen könnten: „Für die griechischen Sparer könnte es sehr wohl interessant sein, einen Teil ihres Geldes in Bitcoins umzutauschen, um drohende Kapitalverkehrskontrollen zu umgehen.“
Die digitale Währung kann schließlich nicht gesperrt, konfisziert oder kontrolliert werden. Griechische Bürger hätten damit eine ideale Möglichkeit, die drohende Kapitalverkehrskontrolle zu umgehen.

Aber nützt denn jemanden Bitcoin etwas, wenn die Akzeptanz im täglichen Handel doch eher gering ist? Ja, denn mit Bitcoin Debitkarten, können Nutzer mit ihrem Bitcoin Wallet an jedem Geldautomaten die jeweilige Landeswährung abheben. Und das ganz ohne staatliche Kontrollen.

Griechen kaufen Bitcoins

Oliver Flaskämper, Geschäftsführer des Handelsplatzes Bitcoin.de berichtet von erhöhten Umsätzen an den Bitcoin Börsen: „In den letzten Wochen haben sich vermehrt Personen aus Griechenland registriert.“ Auch ihn erinnere die Situation an die Zypern-Krise im Jahr 2013. Auch die Kurssteigerung der letzten Wochen führt er auf die aktuellen Debatten zurück: „Wir führen dies vor allem auf die Bedenken im Markt zurück, dass der Grexit, also ein Austritt Griechenlands aus dem Euro, unmittelbar bevorsteht.“

Damals im Zuge der Zypern-Krise, stieg der Bitcoin Kurs ebenfalls innerhalb kurzer Zeit von 20 Euro auf über 160 Euro. Fiel dann jedoch wieder um 50 Prozent innerhalb weniger Wochen.

Im Gegensatz zur Aussage von Flaskämper berichten andere europäische Bitcoin Börsen, wie Kraken oder LocalBitcoins, keine besonderen Vorkommnisse bei der Anmeldung griechischer Personen: „Wir sehen keinen nennenswerten Anstieg der griechischen Nutzerzahlen, die vom normalen Handel abweichen. Der gesamte BTC/EUR Handel hat zwar etwas angezogen, entspricht aber dennoch dem herkömmlichen Trend.“, so Max Edin von LocalBitcoins. Tatsächlich steigen sowohl die Anzahl der Transaktionen als auch das Handelsvolumen von Bitcoins seit über einem Jahr stetig an.

Edin bezweifelt daher, dass der aktuelle Kursanstieg direkt etwas mit erhöhten Aktivitäten aus Griechenland zu tun habe: „Das Volumen aus Griechenland ist im Vergleich zum Gesamtvolumen so gering, dass es keine nennenswerte Preisbewegung auslösen kann.“ Auch Jesse Powell CEO von Krake bestätigt das: „Es ist schwer zu sagen, welchen Einfluss Griechenland auf das gestiegene Handelsvolumen hatte, oder ob es letztendlich reise Spekulationssache war/ist.“ Er warnt daraufhin: „Sollte sich herausstellen, dass der Kursanstieg rein spekulativ begründet war und sich die Griechenland-Theorie nicht bewahrheitet, wird der Kurs den aktuellen Trend vermutlich nicht weiter fortsetzen können.“ Andere Experten sehen das ähnlich. Für sie habe die derzeitige Situation in Griechenland höchstens einen psychologischen Effekt. Auch zur Zypern-Krise haben nicht alle Bürger ihr Geld plötzlich in Bitcoin getauscht. Es war ein genereller Wertanstieg bei vielen Anlagegütern zu sehen.

Aktuell sieht es jedoch so aus, als ob der Bitcoin Kurs, nach dem dramatischen Einbruch, einen Boden gefunden hätte. Die Griechenland Diskussion hat sicherlich dazu beigetragen, dass Bitcoins wieder etwas mehr in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt sind. Aber ein weiterer steiler Kursanstieg steht vermutlich nicht kurz bevor. Timothy Enneking, Manager des Crypto Currency Fund sieht das ähnlich: „Der Preis ist bereits so lange stabil, dass es an der Zeit für einen Kursanstieg war. Griechenland hatte wohl möglich einen zusätzlichen psychologischen Effekt.“