Ist Bitcoin gescheitert?!

Innerhalb der Bitcoin-Community ist Aufruhr zu spüren. Einer der insgesamt fünf Chefentwickler hat seinen Rückzug aus der Kryptowährung bekannt gegeben. Die Begründung ist sehr einfach. Der Bitcoin soll gescheitert sein und Blockchain sich vor einem Kollaps befinden. Allerdings sind das längst nicht die kompletten Hintergründe.

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Ruben Wunderlich

Ruben Wunderlich

Redakteur bei Bitcoinmoney.net
Ruben Wunderlich absolvierte eine Ausbildung zum Bankkaufmann sowie ein BWL-Studium. Danach war er 6 Jahre im Finanzsektor tätig. Dieses Wissen nutzt er seit einigen Jahren für seine freiberufliche Tätigkeit als Finanzredakteur. Ruben präsentiert Euch auf Bitcoinmoney.net aktuelle News und Entwicklungen aus der Welt der Kryptowährungen.
Ruben Wunderlich

Mike Hearn hat innerhalb seines Blogeintrags veröffentlicht, dass er zwar wusste, dass Bitcoin durchaus scheitern kann, die unvermeidbare Erkenntnis, dass er tatsächlich gescheitert ist, mache ihn dennoch traurig. Dieser Blogeintrag hat die Bitcoin-Welt erschüttert. Mit Hearn verabschiedet sich einer der wichtigsten Köpfe der Digitalwährung. Hearn begründet, dass das Fundament zerstört sei und deshalb ein Preis-Trend langfristig nur in Abwärtsrichtung zu erwarten sei. Er selbst als einer der Entwickler werde die weitere Bitcoin-Entwicklung nicht mehr begleiten. Er hat auch bereits sein gesamtes Bitcoin Guthaben veräußert und möchte keine Bitcoins mehr kaufen.

Einschneidende Entscheidung

Keine Frage, dass eine solch einschneidende Entscheidung eines der führenden Bitcoin-Entwickler Folgen nach sich zieht. Direkt nach der Veröffentlichung des Blogeintrags von Hearn ging der Bitcoin Kurs direkt in den Keller – und das vor dem Hintergrund, dass eine Krise in China dem Bitcoin gerade erst ein Comeback beschert hatte. Dennoch stürzte der Kurs der Währung nach Hearns sachlicher Kritik von zunächst 430 US-Dollar dann zeitweilig auf weniger als 360 US-Dollar. Der Bitcoin pendelt sich seither bei knapp 385 US-Dollar ein.

Warum ist Bitcoin gescheitert?

Aus der Perspektive von Hearn ist der Bitcoin gescheitert, weil die gesamte Community gescheitert ist. Was zunächst als neues und dezentrales Geld ohne weitere sysstemische wichtige Institutionen und auch ohne “too big to fail” geplant war, wurde dann zu etwas wesentlich Schlimmeren, nämlich einem System, das nur von einer Handvoll Leuten kontrolliert wird. Eine gewisse Ironie zeigt sich darin, dass genau diese Entwicklung in einer Community zu erkennen ist, die immer Furcht davor hatte, durch eine repressive Regierung übernommen zu werden, findet Hearns. Weiterhin sieht er das gesamte Netzwerk am Rande eines Kollaps, denn die Mechanismen, dies dies verhindern sollen, sind angeblich bereits zusammengebrochen und so gibt es keinen Grund anzunehmen, dass der Bitcoin wirklich besser ist als das aktuell existierende Finanzsystem.

Blockchain ebenfalls vor dem Kollaps?

Faktisch geht es darum, dass das gesamte Bitcoin-Netz sich aktuell an seinen Grenzen befindet. Nach Hearns Ansicht können höchsten drei Transaktionen je Sekunde verarbeitet werden. Mit der wachsenden Bedeutung der Digitalwährung steigert sich allerdings auch das Datenvolumen. Die Versuche, die Leistungsfähigkeit des Blockchain-Systems weiter auszubauen, wurden von chinesischen Bitcoin-Miners blockiert. Das führt seiner Ansicht nach zu geradezu katastrophalen Folgen für den Bitcoin, denn wenn die Netzwerke ihre Kapazitätsgrenzen erreichen oder gar überschreiten, dann ist die Folge eine Unzuverlässigkeit. Bereits aktuell sind erste Fälle zu verzeichnen, bei denen eine Zahlung mit Bitcoin nicht mehr fehlerfrei abzuwickeln war.

Nebenher sieht Hearn auch die Gefahr eines gesteigerten Betrugsrisikos. Warum die bisherigen Versuche, einen Ausbau der Netzwerkleistung zu erwirken, blockiert werden, ist nicht nachvollziehbar. Hearn nennt es einen offenen Bürgerkrieg zwischen den Personen und den Unternehmen, die den Bitcoin geschaffen haben. Zudem wird durch chinesische Entwickler die Digitalwährung kontrolliert, denn diese haben ein großes Interesse daran, die Bitcoin-Datenströme möglichst gering zu halten, um sie wiederum nur durch das kleine Nadelöhr der streng regulierten chinesischen Internetleistung passen zu lassen.

Was ist wirklich dran an Hearns Kritik?

Der Bitcoin hat inzwischen nach Hearns Meinung ein gefährliches Fahrwasser erreicht. Anders als in den vergangenen Krisen wie beispielsweise der Pleite der Bitcoin Plattform Mt. Gox, ist diesmal der Kern des Bitcoins von der Krise betroffen, nämlich der Blockchain.

Blockchain, die Technologie, die sich hinter Bitcoin befindet, wird als das Herzstück der Digitalwährung betrachtet und hat nach Meinung vieler durchaus das Potential, eine Zerstörung der traditionellen Finanzindustrie herbeizuführen. Das zu verhindern, ist das Bestreben der mächtigsten Banken wie beispielsweise Goldman Sachs oder JP Morgan sowie UBS oder Credit Suisse.

Dies tun sie, indem sie sich Blockchain selbst zunutze machen. Ein solches Detail hat Bedeutung, um den Blogeintrag von Mike Hearn nachvollziehen zu können. Spannend ist nämlich, dass es der führende Bitcoin-Kopf ist, der einen Seitenwechsel vornimmt.

Hearn ist gemäß Reuters zwischenzeitlich für das Startup R3 tätig geworden. Das ist die Firma, die wiederum die Blockchain-Allianz anführt. Die Aufgabe Hearns bei R3 liegt darin, eine Blockchain-Technologie wiederum für die Banken zu entwickeln. Somit kann man dem Abgang von Hearn vom Bitcoin durchaus auch ein gewisses Eigeninteresse unterstellen.

Hearn allerdings bestreitet diesen Vorwurf namens „Bankenverschwörung“

Den Vorwurf des Seitenwechsels, der Teil einer Bankenverschwörung sein soll, hat Hearn inzwischen kommentiert. Er argumentiert, dass seine Kritik am Bitcoin nicht mit seiner neuen Tätigkeit bei R3 zu tun habe. Er bezeichnet diese Vermutungen als Verschwörungstheorie und Zeitverschwendung. Auch wenn Bitcoin mit einigen Bereichen von Banken konkurriere, liege das Hauptgeschäft der Banken noch immer im Handeln und Verleihen. Beides wäre auch dann noch präsent, wenn Bitcoin eine Entwicklung zur globalen Währung nehmen würde. R3 sei unabhängig von Bitcoin, und es gäbe auch kein so genanntes Nullsummenspiel, da Banken und Bitcoin eine Koexistenz haben können.