Griechenland-Alltag und Bitcoins

So schön kann Griechenland sein – doch vergangenes Wochenende war es dann soweit. Wie wir bereits im Artikel Griechische Geldkontrollen – mit Bitcoin umgehen? beschrieben haben, wurden tatsächlich Kapitalverkehrskontrollen für alle griechischen Bürger eingeführt. Doch nicht nur das. Die Regierung hat für diese Woche ein ganzes Bündel an Maßnahmen beschlossen. Fast 11 Millionen Einwohner sind betroffen. Viele hatten in den letzten Wochen bereits so viel Bargeld wie möglich von ihren Konten abgehoben.

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Ruben Wunderlich

Ruben Wunderlich

Redakteur bei Bitcoinmoney.net
Ruben Wunderlich absolvierte eine Ausbildung zum Bankkaufmann sowie ein BWL-Studium. Danach war er 6 Jahre im Finanzsektor tätig. Dieses Wissen nutzt er seit einigen Jahren für seine freiberufliche Tätigkeit als Finanzredakteur. Ruben präsentiert Euch auf Bitcoinmoney.net aktuelle News und Entwicklungen aus der Welt der Kryptowährungen.
Ruben Wunderlich

Die Maßnahmen im Überblick:

  1. Bis Montag Nachmittag konnten Geldautomaten gar nicht benutzt werden
  2. Danach dürfen Griechen maximal 60 Euro je Tag abheben
  3. Online Banking funktioniert, aber keine Überweisungen ins Ausland
  4. Banken bleiben bis mindestens zum 05. Juli geschlossen
  5. Die Athener Börse bleibt zunächst geschlossen
  6. Kreditkarten funktionieren nur eingeschränkt
  7. Ausländer können unbeschränkt Geld abheben → Solange der Geldautomat noch Geld hat

 

Ob die Kapitalverkehrskontrollen verlängert werden oder nicht, kann derzeit niemand sagen. Je nachdem wie sich die Situation weiter entwickelt, werden wahrscheinlich einige Maßnahmen – zum Beispiel das Verbot von Auslandsüberweisungen – zunächst verlängert werden.

Erste Hamsterkäufe sind die Folgen dieser Maßnahmen. Vor allem Hygieneartikel und Lebensmittel werden massenhaft gekauft. Das Benzin wird ebenfalls knapp. Als Reaktion darauf, dürfen öffentliche Verkehrsmittel bis zum 07. Juli in Athen und Umgebung kostenfrei genutzt werden. Am Wochenende soll eine Volksabstimmung stattfinden, indem abgestimmt wird, ob Griechenland die Forderungen der Gläubiger annimmt oder ablehnt – mit allen Konsequenzen die sich daraus ergeben.

Bitcoin in dieser Situation die Lösung?

Natürlich ist eine Kryptowährung wie Bitcoin in dieser heiklen Situation nicht das Allheilmittel. Eine Währung, egal wie sie auch konstruiert sein mag, kann keine strukturellen Probleme lösen, wie sie derzeit in Griechenland vorherrschen. Es zeigt sich in diesen Tagen jedoch, wer über das „eigene“ Geld wirklich verfügt. Von Jetzt auf Nachher kann ein Staat sämtliches Guthaben einfrieren, welches sich auf Bankkonten befindet. Und genau das ist einer der Gründe, warum Bitcoin ins Leben gerufen wurde: Unabhängigkeit von Staat und Politik.

Und trotzdem reißen sich die Griechen um die Digitalwährung, so zumindest berichtet es das Finanzportal von CNNmoney. Demnach verzeichnen alle großen Bitcoin Börsen rund um den Globus einen deutlichen Handelsanstieg aus Griechenland. Viele Griechen haben in diesen Tagen tatsächlich ihre ersten Berührungspunkte mit der Kryptowährung.

Oliver Flaskaemper, CEO von Bitcoin.de, äußerte gegenüber CNNmoney, dass sich zehnmal mehr Griechen als sonst auf der Plattform registrieren. Auch hätten die Transaktionen aus Griechenland um 79 Prozent zugelegt. Sogar eine chinesische Bitcoin Börse – LakeBTC – verzeichnet einen 40-Prozentigen Anstieg von griechischen Teilnehmern.
Am Wochenende erhielt die polnische Bitcojn Plattform Bitcurex eine E-Mail Flut von Anfragen aus Griechenland. Es waren Fragen wie „Ist Bitcoin eine legale Währung in der EU?“, „Kann ich Bitcurex wie ein Bankkonto nutzen?“ oder „Haben Sie Bitcoin Geldautomaten in Griechenland?“. Kurz entschlossen machte Bitcurex daraufhin ein besonderes Angebot für Griechen: „No Fees for Greece!“. 3 Monate dürfen Griechen die polnische Plattform ohne Gebühren nutzen.

Dieses Phänomen, dass sich Menschen in solchen Krisen nach Alternativen umschauen, war bereits 2013 zu beobachten, als Zypern ebenfalls Kapitalverkehrskontrollen einführte. Daraufhin stieg der Bitcoin Preis um über 700 Prozent – was den eigentlichen Boom ausmachte, sei dahingestellt.

Bitcoin im griechischen Alltag

Doch so hoffnungsvoll das alles klingen mag, im griechischen Alltag ist es alles andere als leicht, Bitcoins zu kaufen und andererseits zu verwenden. Aufgrund des eingeschränkten Überweisungsverkehrs, kann kein Grieche Geld ins Ausland überweisen. Aber genau das ist notwendig, um Bitcoins zu kaufen. Gemäß dem Bericht von CNNmoney gibt es in Griechenland auch nur einen einzigen Bitcoin Geldautomaten – und zwar in einem Athener Buchladen. Wer also nicht bereits vorgesorgt hat, hat es jetzt sehr sehr schwer, an Bitcoins zu gelangen.

Zur Anmerkung: Ein Bitcoin Geldautomat funktioniert etwas anders, als ein herkömmlicher Automat. Bei den so genannten Bitcoin ATMs müssen Euro-Scheine in den Automaten hineingeschoben werden. Anschließend muss man angeben, auf welches Wallet die umgerechneten Bitcoins übertragen werden soll. Oder man verkauft am Geldautomaten Bitcoins von seinem Wallet und erhält Euro.

Auch die Bezahlung mit Bitcoin gestaltet sich schwierig. Vergleichsweise sehr wenige Geschäfte akzeptieren die Onlinewährung als Zahlungsmittel. Wer eine Bitcoin Debitkarte besitzt kann zwar auch am Geldautomaten Euros abheben, aber wem nützt es, wenn die Banken zu wenig Geldscheine haben, um die Automaten zu befüllen?
Eine andere Betrachtungsweise ist, dass die Regierung Bitcoin als Parallelwährung einführt. Der Kolumnist Wolfgang Münchau brachte diese Idee bereits vor einigen Wochen ins Spiel Auch darüber berichteten wir – Bitcoin als Parallelwährung für Griechenland?

Der drohende Grexit verantwortlich für den Kursanstieg?

Der Bitcoin Kurs zeigt sich in den letzten Tagen recht stark. Viele gehen davon aus, dass das drohende Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro-Raum dafür verantwortlich ist. Tony Gallipi, Mitbegründer von Bitpay, sieht den Bitcoinkurs sogar zwischen 610 US-Dollar und 1.250 US-Dollar, wenn Griechenland aus dem Euro-Raum fliegt. Doch diese Vermutungen sind mehr als gewagt und zwar aus zweierlei Gründen:

  1. Das gesamte EUR/BTC Handelsvolumen (d.h. Sämtlicher Eurotransaktionen) beträgt lediglich 6 Prozent des globalen Bitcoin-Volumens
  2. Der griechische Anteil am EUR/BTC Handel ist verschwindend gering

 

Das bedeutet, dass die erhöhte Nachfrage aus Griechenland keinesfalls die Macht hat, den Kurs soweit nach oben zu treiben. Vielmehr treiben Spekulanten den Markt nach oben, die die psychologischen Faktoren für sich ausnutzen. Sicher kann es dazu führen, dass es eine gewaltige Kursexplosion geben wird. Doch wenn das nur auf Vermutungen wie einem „Grexit“ beruht, wird das genauso enden wie nach Dezember 2013 – als der Bitcoinkurs von über 1.000 US-Dollar auf 200 US-Dollar absackte.