Bitcoin Anleger und die Steuern: Finanzamt könnte 726 Millionen Euro einnehmen

Steuern zahlen ist generell ein leidiges Thema. Im Krypto Trading umso mehr, da es sich um ein neues Phänomen handelt, welches vom Finanzamt und Fiskus noch längst nicht abschließend geklärt ist. Mal davon ganz abgesehen, dass das Thema Steuern niemals endgültig geklärt ist. Doch die Besteuerung von Gewinnen aus dem Bitcoin Handel ist komplex. Eines wollen wir hier auch gleich zu Beginn festhalten: Es handelt sich hierbei nicht um eine steuerliche Beratung. Die Aussagen stellen unsere aktuelle Meinung dar, hat aber keinen Anspruch auf absolute Richtigkeit. Im Zweifelsfall sollte immer ein Steuerberater konsultiert werden. Dennoch wollen wir dieses Thema einmal aufgreifen. Insbesondere weil Klaus Himmer und Philipp Sandner vom Frankfurt School Blockchain Center eine interessante Rechnung aufgestellt haben.

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Bitcoin Gewinne sind keine Kapitalerträge

Nach Auffassung des Bundesfinanzministeriums, sind Bitcoins keine Kapitalanlagen, sondern fallen unter die Regelung von Wirtschaftsgütern wie Gold, Immobilien oder Antiquitäten. Der Europäische Gerichtshof bestätigte sogar, dass keine Bitcoin Umsatzsteuer fällig auf Transaktionen fällig wird. Das heißt aber natürlich nicht, dass auf Bitcoin Gewinne gar keine Steuern fällig werden. Aktuell ist es so, dass Gewinne aus dem Handel mit Kryptowährungen der Einkommensteuer unterliegen und werden daher mit dem persönlichen Steuersatz versteuert.

Gewinne mit dem Handel aus Wirtschaftsgütern unterliegen einer sogenannten Spekulationsfrist von einem Jahr. Das bedeutet, dass nach einjähriger Haltedauer mögliche Gewinne steuerfrei sind. Das betrifft sicherlich einige Anleger, die vielleicht zu Beginn Bitcoins kauften und sich dann nicht weiter damit beschäftigten. Als dann immer mehr Medien darüber berichteten, haben sich diese Anleger wieder an ihre Bestände erinnert und festgestellt, dass ihre gekauften Bitcoins mittlerweile deutlich mehr wert sind. Wer dann verkaufte, muss keine Bitcoin Steuern zahlen.

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Doch auf die meisten Händler trifft das bestimmt nicht zu. Es ist eher davon auszugehen, dass der Großteil der Transaktionen innerhalb eines Jahres stattfand. Damit fallen mögliche Gewinne unter die Steuerpflicht.

Achtung: CFD Trading wird anders besteuert

Die hier beschriebene Situation gilt allerdings nur für diejenigen, die direkt Bitcoins kaufen und verkaufen. Das wäre zum Beispiel über einen virtuellen Marktplatz oder einer Krypto-Börse, wie auch unsere bitcoin.de Erfahrungen zeigen. Wer jedoch Kryptowährungen mittels CFDs handelt, zahlt ganz normal Abgeltungssteuer. Hintergrund ist, das beim CFD Trading der Basiswert nicht gekauft wird, sondern mit dem Broker ein Differenzgeschäft über den Kursunterschied zwischen An- und Verkauf abgeschlossen wird. Bei der Abgeltungssteuer gibt es übrigens keine Spekulationsfrist.

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Probleme für Bitcoin Anleger

Gehen wir mal davon aus, dass Bitcoin Anleger unterjährig Kryptowährungen mit Gewinn verkaufen. Wenn es sich nicht gerade um nur einige wenige Transaktionen handelte, dann wird es kompliziert. Denn der Anleger muss nun selbstständig alle Umsätze detailliert aufschlüsseln und ermitteln bei welcher Transaktion wie viel Gewinn und wie viel Verlust gemacht wurde. Die bereits erwähnten Autoren Himmer und Sandner äußerten sich wie folgt dazu:

„Da davon auszugehen ist, dass die Mehrheit der zumeist jungen IT-affinen Privatinvestoren nicht über fundierte Kenntnisse im Steuerrecht verfügt, besteht für sie das Risiko durch Untätigkeit ungewollte steuerstrafrechtlich relevante Tatbestände zu verwirklichen“

Einige Anleger müssten Hunderte von Seiten an Datenmaterial selbst erstellen. Längst nicht alle Plattformen erledigen das für den Kunden. Und die Unterlagen einfach einem Steuerberater zu geben, kann auch nicht im Sinne des Anlegers sein. Zudem sind weitere Fragen offen, wie zum Beispiel ob das FIFO (First In First Out) Prinzip gelte oder das LIFO (Last In Last Out), mit anderen Worten: Waren die zuletzt verkauften Bitcoins nun die zuerst gekauften oder die zuletzt gekauften? Im Allgemeinen kommt das FIFO-Prinzip zum Tragen.

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Beim Bitcoin Trading sollten Anleger nur auf seriöse Unternehmen setzen.

Wer fragt schon nach ein paar Bitcoin Gewinnen?

Jetzt mag sich der eine oder andere denken, wer denn schon nach ein paar Bitcoin Gewinnen fragen wird. Das Finanzamt wird sich doch wohl kaum mit solchen „Kleckerbeträgen“ auseinandersetzen. Falsch gedacht! Himmer und Sandner schätzen „konservativ“ die Zahl der Betroffenen Anleger hierzulande auf 400.00 und es werden ständig mehr. Sie ermittelten, dass dem Fiskus mögliche Steuereinnahmen von 726 Millionen Euro für 2017 zustehen! Das ist fast 1 Prozent des gesamten Einkommensteueraufkommens von 2016! Spätestens an dieser Stelle sollte jedem das Problem bewusst werden. Kein Staat der Welt lässt sich einfach so eine drei Viertel Milliarde Euro Steuergelder entgehen! Die Tendenz im aktuellen und in den kommenden Jahren ist ja auch steigend.

Wie kommen Himmer und Sandner auf 726 Millionen Euro?

Auf Basis der 400.000 Anleger und dem globalen Umsatz, ermittelten die beiden den deutschen Anteil am Krypto-Handel von etwa 3,5 Prozent. Sie gingen davon aus, dass 15 Prozent der Wertzuwächse steuerpflichtig sind. Damit kommen sie auf eine Steuergrundlage von 2,42 Milliarden Euro. Bei einem durchschnittlichen Steuersatz von 30 Prozent ergibt das eine Steuereinnahme von 726 Millionen Euro. Und diese Zahlen sind sicherlich nicht zu hoch angesetzt. In Wirklichkeit mögen sie sogar noch höher ausfallen, aber das lässt sich nicht exakt berechnen.

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Womit sollten Bitcoin Anleger jetzt rechnen?

Die von den Autoren der Studie ermittelte Summe ist zunächst einmal höchstwahrscheinlich nicht durch den Fiskus realisierbar. Denn das würde voraussetzen, dass die Behörden technischen Zugang zu den Handelsplattformen hätten. Doch vor allem im fernöstlichen Ausland gestaltet sich das als äußerst schwierig. Genauso schwierig ist es, Bitcoin Zahlungen bei Steuerpflichtigen als solche herauszufiltern. Denn sobald diese lediglich über eine Trading Plattform abgewickelt werden und nicht jeder Umsatz übers Girokonto erfolgt, ist das von Seiten der Finanzbehörden nur schwer zu beweisen.

Generell ist es natürlich so, dass Anleger im Allgemeinen keine Steuern hinterziehen wollen. Es ist eben nur für diese Gruppe kompliziert und sie könnten sich unwissend der Steuerhinterziehung strafbar machen. Es ist auch davon auszugehen, dass die Finanzämter technisch nachrüsten. Mögliche Steuereinnahmen in Milliardenhöhe in den nächsten Jahren wird sich der Fiskus mit Sicherheit nicht entgehen lassen. Übrigens ist das auch ein Argument welches gegen ein Verbot von Kryptowährungen spricht. Wenn der überwiegende Teil der Anleger damit nur Gewinne machen will, so wäre es im Interesse des Staates, den Bitcoin Handel weiterhin zu erlauben und von den Gewinnen einen ordentlichen Anteil abzuschöpfen. Denkbar wäre auch, dass Plattformen, die in Deutschland ihre Dienste anbieten, die Daten für die Finanzämter zugänglich machen müssen, ähnlich wie es bei Online Banken heute schon der Fall ist. Wer zum Beispiel Aktien oder Zertifikate über einen Online Broker handelt, muss automatisch Abgeltungssteuer abführen.

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Die Frage nach der Bitcoin Besteuerung ist noch lange nicht abschließend geklärt.

Steuerkanzleien spezialisiert auf Kryptohandel

Glücklicherweise gibt es mittlerweile sogar Kanzleien, die sich auf den Kryptohandel spezialisiert haben. Wie üblich in der Krypto-Welt bietet zum Beispiel die Münchner Firma Cryptotax eine digitale Lösung zur Ermittlung der Besteuerungsgrundlage. Übrigens ist Klaus Himmer CEO von Cryptotax. Zudem existieren auch Web-Anwendungen die bei der Datenaufbereitung helfen.

Die Autoren Himmer und Sandner sehen aber noch weiteren Handlungsbedarf. Auf der einen Seite, muss der Staat Klarheit schaffen, wie Gewinne aus dem Krypto-Trading steuerrechtlich einzuordnen sind. Wie bereits erwähnt, ist hier der direkte Handel von Bitcoin und Altcoins gemeint, nicht jedoch der CFD Handel. Im CFD Trading besteht bereits Klarheit hinsichtlich der Besteuerung. Auf der anderen Seite sind jedoch auch die Plattformen und Online Marktplätze in der Pflicht. Si haben die Aufgabe, die Daten entsprechend für den Anleger aufzubereiten. Erst wenn all das gegeben ist, kann sich der Staat Zugang zu den Steuereinnahmen verschaffen.

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Ruben Wunderlich

Ruben Wunderlich

Redakteur bei Bitcoinmoney.net
Ruben Wunderlich absolvierte eine Ausbildung zum Bankkaufmann sowie ein BWL-Studium. Danach war er 6 Jahre im Finanzsektor tätig. Dieses Wissen nutzt er seit einigen Jahren für seine freiberufliche Tätigkeit als Finanzredakteur. Ruben präsentiert Euch auf Bitcoinmoney.net aktuelle News und Entwicklungen aus der Welt der Kryptowährungen.
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