Bitcoin-Börse mit Kundengeldern verschwunden – Rückschlag für Bitcoin?

Bereits im Februar berichtete Focus Online, dass circa 3.000 Bitcoin-Anleger insgesamt mehr als 342 Millionen Euro verloren haben. Hintergrund war die plötzliche Schließung der Bitcoin-Börse MyCoin aus Hongkong.

Testsieger IQ Option überzeugt mit vielfältigem Krypto-Handelsangebot
  • 14 Kryptowährungen via CFD handelbar
  • Zeitlich unlimitiertes Demokonto
  • Mindesteinzahlung von 10 Euro/USD/GBP
Jetzt Krypto beim Testsieger IQ Option handeln!

Zum Hintergrund

Anfang Februar meldeten sich 30 besorgte Anleger beim örtlichen chinesischen Abgeordneten Leung Yiu-chung. „Wir schätzen, dass mehr als 3000 Menschen betroffen sind.“, davon geht zu mindestens der chinesische Abgeordnete aus. Die örtlichen Behörden vermuten, dass rund 3 Milliarden Hongkong-Dollar (342 Millionen Euro) verloren seien.

Ruben Wunderlich

Ruben Wunderlich

Redakteur bei Bitcoinmoney.net
Ruben Wunderlich absolvierte eine Ausbildung zum Bankkaufmann sowie ein BWL-Studium. Danach war er 6 Jahre im Finanzsektor tätig. Dieses Wissen nutzt er seit einigen Jahren für seine freiberufliche Tätigkeit als Finanzredakteur. Ruben präsentiert Euch auf Bitcoinmoney.net aktuelle News und Entwicklungen aus der Welt der Kryptowährungen.
Ruben Wunderlich

MyCoin hatte Kunden mit völlig absurden Gewinnaussichten gelockt. Für die Einzahlung in Höhe von 400.000 Hongkong-Dollar wurde ihnen eine Ausschüttung von 1 Million Hongkong-Dollar versprochen (circa 45.000 Euro Einzahlung und 114.000 Euro Ausschüttung). Und das innerhalb von 4 Monaten! Außerdem wurden Präsente wie ein neuer Mercedes-Benz oder Bargeld versprochen, wenn Kunden neue Investoren beziehungsweise Neukunden werben.

Ein raffiniertes Schneeballsystem

Alles deutet darauf hin, dass es sich um nichts anderes, als um ein ausgeklügeltes Schneeballsystem handelte. Investoren hätten ihr Geld nur dann wieder erhalten, wenn sie neue Anleger warben. Auch die Renditeversprechungen waren jenseits von Gut und Böse. Die Täter warben auf lokalen Verkaufsveranstaltungen in 5-Sterne-Hotels für Ihren „Bitcoin-Fonds“. Sogar ein Börsengang an der Hong Kong Stock Exchange wurde angekündigt, aber nie umgesetzt. Weiterhin betrieben die Täter ein lokales Büro mit einem angeblichen Bitcoin-Geldautomaten (In sozialen Netzwerken wurden sogar Fotos vom vermeintlichen Bitcoin-Geldautomaten veröffentlicht).

Als das Büro einige Tage vor der Börsen-Schließung überraschend wegen „Renovierungen“ geschlossen wurde, schöpften die ersten Verdacht. Doch der Geschäftsführer von MyCoin hatte sich zu diesem Zeitpunkt längst abgesetzt. Die neu eingetragene Firmenchefin ist ebenfalls eine Chinesin, die laut Recherchen der „South China Morning Post“, kein unbeschriebenes Blatt in Sachen Wirtschaftskriminalität ist. Die neue chinesische Leiterin von MyCoin leitet noch 167 weitere Briefkastenfirmen.

Kunden haben angeblich keinerlei schriftlichen Aufzeichnungen über ihre Anlagen erhalten. So manch ein Investor soll sogar eine Hypothek auf sein Haus aufgenommen haben, um bei MyCoin einzusteigen.

Nach Angaben von lokalen Behörden, hatten die Hintermänner von MyCoin sowieso nie die Absicht gehabt, das Geld tatsächlich in Bitcoins zu investieren.

Kein Rückschlag für die Digitalwährung Bitcoin

Entgegen einiger Aussagen, ist die Schließung der vermeintlichen Bitcoin-Börse MyCoin kein Rückschlag für die Kryptowährung Bitcoin. Hier handelte es sich um ein Schneeballsystem, bei dem Anleger um ihr Geld gebracht wurden. Die Onlinewährung hat lediglich als „Lockmittel“ her gehalten. Fairerweise muss man auch sagen, dass der gesunde Menschenverstand bereits bei den Rendite-Aussagen Alarm hätte schlagen müssen. Kein System kann solche Rendite versprechen!

Die Unterschlagung von Anlegergeldern hat in diesem Fall grundsätzlich nichts mit der Onlinewährung zu tun. Die Warnungen vor Bitcoins, die daraufhin von einigen ausgesprochen wurden, sind Fehl am Platz. Das hätte mit jeder Währung passieren können und geschieht auch leider immer wieder.

Außerdem ist fraglich, ob die Verluste tatsächlich so hoch sind. Die Vermutungen über die Schadenshöhe basieren auf der Eigenwerbung im Internet von MyCoin. Dort wurde damit geworben, dass bislang 3000 Kunden jeweils 1 Million Hongkong-Dollar investiert hätten. Geht man davon aus, dass diese Aussage ebenso wahrheitsgemäß wie die Renditeversprechungen sind, so wird die tatsächliche Kundenzahl und das angelegte Geld wohl wesentlicher geringer sein. Die Aussagen sollten nur dazu dienen, neue Kunden anzuwerben und in Sicherheit zu wiegen.

Des Weiteren, beträgt das aktuell in Bitcoin angelegte Geld weltweit ungefähr 2,8 Milliarden Euro. Das würde bedeuten, dass circa 12% des weltweiten Bitcoinaufkommens von MyCoin verwaltet wurden. Das scheint sehr unrealistisch zu sein.

Bitcoin also vollkommen sicher?

Das alles soll natürlich nicht bedeuten, dass die Digitalwährung vollkommen sicher ist. Es gibt wie überall sowohl Vor- als auch Nachteile. Bitcoins wurden im Jahr 2008 im Zuge der Finanzkrise entwickelt und 2009 veröffentlicht. Sie sind völlig unabhängig von Zentralbanken und Regierungen und unterliegen keiner behördlichen Regulierung. Davor wird immer wieder gewarnt. Doch genau das war ja bewusst so gewollt. Es sollte eine Währung sein, die nicht durch politische oder andere Interessen beeinflusst werden kann.

Börsensicherheit nach wie vor ein Problem

Der größte Schock war wohl die Pleite der japanischen Bitcoin-Börse Mt. Gox. Demnach sollen tatsächlich rund 370 Millionen US-Dollar (laut aktuellem Stand), die in Bitcoins investiert waren, durch betrügerische Transaktionen verloren gegangen sein. Nach aktuellen Ermittlungen der japanischen Polizei, wurde das Geld jedoch nicht durch Hacker – wie ursprünglich vermutet – sondern durch betrügerische Aktivitäten von Teilnehmern, die nicht den angemeldeten Kundenkonten entsprachen, transferiert. Die Polizei fand heraus, dass lediglich rund 1%, circa 7000 Bitcoins, durch Hackerangriffe verloren gingen, obwohl man immer noch nicht weiß, wer sich hinter den Hackern verbirgt. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die Behauptung von Mt. Gox, dass Hacker das Geld gestohlen hätten, nicht richtig ist. Der ehemalige CEO Mark Karpeles gibt sich wortkarg, als er auf die Ermittlungsergebnisse angesprochen wurde: „Ich kann derzeit nichts dazu sagen, ausgenommen der Tatsache, dass ich weiter nachforschen werde um herauszufinden, was tatsächlich passiert ist.“. Bereits im März 2014 wurden die Vermögen der Mt. Gox-Besitzer von einem US-Gericht eingefroren. Die Hinweise verdichten sich, dass es sich um einen groß angelegten Betrug handelt.

Die Sicherheit von Bitcoin-Börsen ist nach wie vor ein Problem. Es werden derzeit auch große Anstrengungen unternommen, damit solche Nachrichten sich nicht wiederholen. Garantieren kann das jedoch niemand. Allerdings können Hacker auch auf „normale“ Girokonten zugreifen, Kreditkartendaten knacken und so weiter. Es ist also kein Problem was ausschließlich Digitalwährungen betrifft. Außerdem ist die Technologie noch recht jung. Seit gerade mal 6 Jahren sind Bitcoins „auf dem Markt“. Interessant sind auch Aussagen des ehemaligen Co-Chefautors der Financial Times, Wolfgang Münchau, der Bitcoin sogar als eine Parallelwährung im Falle einer Eurokrise sieht.