Bitcoin als Parallelwährung für den Griechenland-Austritt

Viele gestandene Ökonomen haben nur ein müdes Lächeln übrig für Kryptowährungen, wie den Bitcoin. Doch damit liegen sie falsch. Digitale Währungen haben eine Zukunft und können für Griechenland und sogar die gesamte Eurozone noch sehr wichtig werden.

Testsieger IQ Option überzeugt mit vielfältigem Krypto-Handelsangebot
  • 14 Kryptowährungen via CFD handelbar
  • Zeitlich unlimitiertes Demokonto
  • Mindesteinzahlung von 10 Euro/USD/GBP
Jetzt Krypto beim Testsieger IQ Option handeln!
Ruben Wunderlich

Ruben Wunderlich

Redakteur bei Bitcoinmoney.net
Ruben Wunderlich absolvierte eine Ausbildung zum Bankkaufmann sowie ein BWL-Studium. Danach war er 6 Jahre im Finanzsektor tätig. Dieses Wissen nutzt er seit einigen Jahren für seine freiberufliche Tätigkeit als Finanzredakteur. Ruben präsentiert Euch auf Bitcoinmoney.net aktuelle News und Entwicklungen aus der Welt der Kryptowährungen.
Ruben Wunderlich

Wolfgang Münchau, ehemaliger Co-Chefredakteur der „Financial Times“, veröffentlichte in der Onlineausgabe des Spiegels einen sehr interessanten Artikel über das geniale System von Onlinewährungen und wie diese bei einem eventuellen „Grexit“ eine große Rolle spielen könnten. Nicht nur für das Land, sondern für die gesamte Euro-Zone.

Ökonomischer Geniestreich

In seinem Artikel bezeichnet Münchau die Idee des Bitcoins als den größten ökonomischen Geniestreich der letzten 30 Jahre. Bitcoins sind eine sichere Währung, in der es keine zentrale Datenbanken oder Zentralbanken gibt. Außerdem gibt es keine Politiker, die den Wert der Digitalwährungen nach Gutdünken beeinflussen können. Die andere Seite ist, dass es auch keine Kredite gibt, zu mindestens nicht in der Form, wir wie sie kennen. Muss es aber auch nicht.

In seiner heutigen Form wird der Bitcoin nicht den Euro oder den US-Dollar ablösen. Denn es gibt ein bislang ungelöstes Problem: Der Algorithmus ist so aufgebaut, dass es maximal 21 Millionen Bitcoins geben kann, keinen einzigen mehr. Dieser Punkt an sich, stellt kein Problem dar. Problematisch ist, dass jedes Jahr einige Benutzer Bitcoins verlieren, da sie keine Datensicherung vorgenommen haben. Im Gegensatz zum normalen Geld, das lediglich „verlagert“, aber nicht weniger wird, können Bitcoins verloren gehen, wenn sie nicht gesichert werden. Sie sind aus dem System verschwunden. Das bedeutet in der Praxis, dass es jedes Jahr weniger Bitcoins geben wird, wenn die Obergrenze von 21 Millionen erreicht worden ist. In der Fachwelt spricht man dann von Deflation. Das heißt, digitale Währungen in der heutigen Form, sind deflationär.

Deflation wird im Allgemeinen als negativ betrachtet. Die Geschichte hat gezeigt, dass eine Deflation schwieriger zu bekämpfen ist, als Inflation. Dabei wird der Wert des Geldes, im Gegensatz zur Inflation immer mehr wert. Produkte und Dienstleistungen werden immer preiswerter. Was sich im ersten Moment klasse anhört – alles wird preiswerter – kann sich auf Dauer als fatal erweisen. Unternehmen erwirtschaften immer weniger Gewinne, da die Preise immer weiter sinken. Angestellte müssen entlassen werden. Das Einkommen sinkt. Es wird noch weniger gekauft, einerseits weil man erwartet, dass die Preise noch weiter rutschen, andererseits, weil einige kein Geld mehr haben. Die Unternehmen verkaufen daraufhin noch weniger und so weiter. Aus diesem Teufelskreis zu brechen, erweist sich als äußerst schwierig. Ein klassisches Beispiel ist die Weltwirtschaftskrise von 1929. Oder die aktuelle wirtschaftliche Situation in Japan. Allerdings gibt es neben den genannten negativen Effekten auch positive.

Deflationäre Währungen als Lösung für Problemländer?

Diese deflationären Tendenzen können sich jedoch auch als Vorteil erweisen. In der klassischen Ökonomie, werden dem Geld 3 Aufgaben zugewiesen: Zahlungsmittel, Zahlungseinheit und Wertaufbewahrung. Wir kennen heute Geld nur so, dass es alle diese 3 Funktionen auch erfüllt. Allerdings gibt es keinen triftigen Grund, warum diese Rollen nicht trennen könnte. Gold beispielsweise, nimmt ebenfalls oft die Rolle von Wertaufbewahrung und manchmal die eines Zahlungsmittels ein. Als Zahlungseinheit jedoch ist es nicht geeignet. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden zum Beispiel auch Zigaretten oder andere Güter als „Zahlungsmittel“ benutzt. Ähnlich verhält es sich mit Kryptowährungen. Bitcoins sind ein gutes Zahlungsmittel, allerdings keine richtige Zahlungseinheit. Als Wertanlage ist es zwar grundsätzlich geeignet, derzeit jedoch mit hohen Risiken verbunden.

Als Parallelwährung wären Bitcoins unter Umständen sinnvoll und sogar von Vorteil. Keine Regierung oder Zentralbank kann, egal durch welche Maßnahmen, unendlich viele Bitcoins erzeugen und damit den Wert dieser Währung aufweichen. Der Wert dieser Parallelwährung wäre stabil. Genau das richtige Konstrukt für Problemgebeutelte Länder wie Griechenland. In der Praxis würde das, einfach ausgedrückt, so aussehen, dass Bitcoins lediglich die Rolle als Zahlungsmittel einnehmen. Auf Dauer wäre das zwar auch keine Lösung. Doch als Parallelwährung zur Hauptwährung, eine gute kurzfristige Ergänzung.

Übrigens gab es so etwas Ähnliches schon mehrfach in der Geschichte. 2001 führte Argentinien die so genannten „Patacones“ als Parallelwährung ein. Das waren Schuldverschreibungen der Regierung, mit der sie Angestellte, Beamte und andere entlohnte. Zu einem späteren Zeitpunkt sollten diese Schuldverschreibungen in die reguläre Währung wieder eintauschbar sein. Auch die Nazis haben sich einer Parallelwährung bedient – Anleihen durch die Metallurgische Forschungsgesellschaft.

Auch Griechenland könnte, sofern die Europäische Zentralbank tatsächlich den Geldhahn zudreht, völlig legal einen ähnlichen Weg beschreiten.

Werden Kryptowährungen das heutige Geld ersetzen?

Diese Frage beschäftigt auch Wolfgang Münchau. Es gibt viele Befürworter, die Bitcoin als Währung der Zukunft sehen. Gerade rechtskonservative Wirtschaftsideologen finden den Gedanken charmant, dass es keine Zentralbanken gibt, keinen Mario Draghi, der quasi unendlich Anleihen aufkauft. Auf Dauer sind die deflationären Tendenzen jedoch problematisch. Das bedeutet aber nicht, das Kryptowährungen keine Zukunft hätten. Schließlich könnte man auch mit der Technologie hinter der Digitalwährung auch eine Währung schaffen ohne Deflation. Für Münchau steht daher fest: „Eine Kryptowährung, die tatsächlich den Euro ersetzen könnte, muss noch erfunden werden. Der Punkt ist nur: Wir sind wahrscheinlich gar nicht so weit davon entfernt.“