Bitcoin Alternative: Altcoins im Vergleich

Längst ist das 2009 ins Leben gerufene Bitcoin nicht mehr die einzige virtuelle Währung, die eine Alternative zu herkömmlichem Geld darstellen soll. Seit einiger Zeit erobern andere Kryptowährungen den Markt, die ebenfalls nicht mehr auf Banknoten oder Münzen basieren, sondern auf kryptologischen Schlüsseln. Sie sind unter dem Namen Altcoins bekannt. Ihnen allen ist gemeinsam, dass sie – wie Bitcoin – nicht durch staatliche Instanzen kontrolliert werden, sondern durch die Nutzer selbst. Die Grundlage ist jeweils ein Peer-to-Peer-Netzwerk, das vollkommen ohne Behörden und Aufsichtsinstanzen wie Banken funktioniert. Damit handelt es sich um privat generiertes Geld.Gerade in Erinnerung an die jüngste Finanzkrise und das in den Augen vieler offensichtlich gewordene Versagen von Banken und Regierungen erscheint dieses Prinzip manchen Zeitgenossen als verlockend. Andererseits sind die Zweifel groß, ob sich solche alternativen Währungen auf Dauer behaupten können. Die verschiedenen Altcoins grenzen sich durch unterschiedliche Eigenschaften voneinander und von Bitcoins ab. Welche Stärken und Schwächen die wichtigsten Vertreter jeweils aufweisen, lässt sich gut in unserem Altcoin-Vergleich zeigen.

Ripple – Bitcoin auf den Fersen

Mit einer Marktkapitalisierung von rund 1,5 Milliarden Dollar (Stand Februar 2014) ist Ripple dem Konkurrenten Bitcoin am dichtesten auf den Fersen, wenngleich der Vorsprung der ältesten virtuellen Währung immer noch beachtlich ist. Sie wird, im Unterschied zu Bitcoin und anderen Altcoins nicht durch Mining – also durch das Generieren von Blöcken mit kryptologischen Hashfunktionen – erzeugt, sondern von dem zugrundeliegenden Zahlungs- und Devisenhandelsnetzwerk Ripple ausgegeben. Damit steht hinter diesen Altcoins (Ripple, Ripples oder XRP) ein Unternehmen, ein Aspekt, der von mancher Seite durchaus kritisch gesehen wird. Um an die Kryptowährung zu gelangen, muss man allerdings nicht unbedingt einen Online-Handelsplatz besitzen. Auch Interessenten, die über das World-Community-Grid Rechenleistung für gemeinnützige Forschungsprojekte zur Verfügung stellen, erhalten für ihr soziales Engagement Ripples.

Die Besonderheiten im Überblick:

  • Marktkapitalisierung von 1,5 Milliarden US-Dollar
  • Hinter Ripple steht ein Unternehmen (RippleLabs)
  • Ripples werden auch für die Gewährung von Rechenleistung für gemeinnützige Forschungsprojekte ausgegeben

Litecoin – Altcoin-Mining mit gewöhnlicher Hardware

Die Bitcoin-Alternative Litecoin hat in vielen Augen einige entscheidende Vorteile zu bieten. Im Vordergrund steht die Tatsache, dass Transaktionen mit Litecoin deutlich schneller möglich sind als mit Bitcoin. Der Proof-of-work-Algorythmus basiert in diesem Fall auf scrypt. Damit ist das Altcoin-Mining auch Usern mit “normaler”, für den Alltagsgebrauch ausgelegter Hardware möglich. Das ist ein wichtiger Gegensatz zu Bitcoin, denn bei der ältesten virtuellen Währung ist das Mining mit der Zeit immer schwieriger geworden und mittlerweile nur noch mit besonders leistungsstarker Hardware zu bewerkstelligen. Derzeit steht die Marktkapitalisierung von Litecoin bei etwa 400 Millionen US-Dollar.

Die Besonderheiten von Litecoin:

  •  Marktkapitalisierung von ca. 400 Millionen US-Dollar
  • Deutlich schnellere Transaktionen
  • Mining auch mit Durchschnitts-Hardware möglich

Peercoin – Bitcoin mit mehr Sicherheit

Peercoin liegt der Quellcode von Bitcoin zugrunde. Allerdings soll die Altcoin-Währung eine Weiterentwicklung darstellen, die wesentliche Schwächen der ältesten Kryptowährung korrigiert. So ist das Mining hier im Gegensatz zu Bitcoin über zwei Wege möglich. Einmal ist es auch bei Peercoin über Rechenleistung und die Erschaffung neuer Blöcke möglich. Zusätzlich zu diesem “Arbeitsbeweisprinzip” (proof of work) ist es möglich, das sogenannte “Besitzschaftsprinzip” zu nutzen. Dabei kann das Alter von virtuellen Münzen im eigenen Besitz verwendet werden, um leichter neue Blöcke zu erschaffen. Damit soll verhindert werden, dass große Organisationen eine Monopolstellung erlangen und das Minen für kleine Pools unrentabel machen. Peercoin kann derzeit eine Marktkapitalisierung von etwa 85 Millionen US-Dollar vorweisen. Die Besonderheiten von Peercoin:

  •  Baut auf Bitcoin auf
  • Mining über zwei Wege möglich
  • Mehr Chancengleichheit für kleinere Pools
  • Marktkapitalisierung von 85 Millionen US-Dollar

Dogecoin – aus Spaß wird Ernst

Ursprünglich war das erst im Dezember 2013 veröffentlichte Dogecoin kein ernsthaft gemeintes Projekt, sondern eine Parodie auf virtuelle Währungen wie Bitcoin. In kurzer
Zeit ist daraus die fünftgrößte Kryptowährung mit einer Marktkapitalisierung von etwa 70 Millionen Dollar geworden und auch die ersten Investoren zeigen sich an den virtuellen Münzen mit dem Hundegesicht interessiert. Solche Avancen werden allerdings von Gründer Jackson Palmer strikt abgelehnt. Dogecoin soll weiter allein von der Community reguliert werden, so argumentiert Palmer. Er und die Nutzer seiner Dogecoins zeigten sich in der Vergangenheit als besonders sozial engagiert und machten durch diverse Spendenaktionen von sich reden. Das Prinzip dieser Altcoins ähnelt dem von Litecoin. Auch hier basiert der Proof-of-work-Algorithmus auf scrypt. Im Unterschied zu den strikt limitierten Währungen Bitcoin und Litecoin können hier jedoch mehr Münzen generiert werden. Erst im Februar 2014 entschied sich Palmer dafür, basierend auf Feedback durch Nutzer der von Dogecoin das ursprüngliche Limit von 100 Milliarden Münzen aufzuheben.

Die Besonderheiten von Dogecoin im Überblick:

  •  Marktkapitalisierung von 70 Millionen US-Dollar
  • Regulierung durch Community
  • Keine strikte Regulierung, einfacheres Mining

Mastercoin – Altcoins und eigene Plattform

Mastercoin ist zwar derzeit nur die siebtgrößte Krytowährung mit einer Marktkapitalisierung von etwa 36 Millionen, doch wird sie von manchen als eine besonders vielversprechende virtuelle Zahlungsmethode angesehen. Dabei handelt es sich sowohl um eine Währung als auch um eine Plattform, die grundlegend auf der Infrastruktur von Bitcoin basiert. Im Prinzip basiert Mastercoin auf einer programmierbaren Datenschicht auf der Blockkette von Bitcoin. User können auf diesem Weg ihre eigene Kryptowährung erzeugen, ohne dass dafür eine eigene Blockkette notwendig ist.

Die speziellen Merkmale von Mastercoin:

  •  36 Millionen US-Dollar Marktkapitalisierung
  • Basiert auf Blockkette von Bitcoin

Fazit zum Altcoin-Vergleich: zukunftsweisende Technologie oder Illusion?

Inwieweit Bitcoin und Co. sich in Zukunft behaupten werden, darüber gehen die Meinungen stark auseinander. Während die einen virtuelles Geld als Befreiung von Einschränkungen durch staatliche Instanzen feiern und davon ausgehen, dass in Zukunft auch große Unternehmen zunehmend dazu übergehen werden, Kryptowährungen zu nutzen, betonen andere die Risiken, die mit dieser modernen Zahlungsmethode verbunden sind. Schließlich basieren Kryptowährungen auf dem Vertrauen ihrer User. Bricht dieses Vertrauen weg, so werden virtuelle Währungen schnell wertlos. Viele Versuche, eine neue virtuelle Währung zu erschaffen, waren auch nur von kurzer Dauer. Sogenannte Scumcoins sind das Gegenteil von erfolgreichen Beispielen wie Bitcoin.

Aber auch erfolgreichere Altcoins sind starken Kursschwankungen unterworfen, wie Altcoin-Charts aufzeigen, und können kaum einen vergleichsweise stabilen Wechselkurs zu regulären Währungen aufweisen. Besonders staatliche Entscheidungen, die den Handel mit Kryptowährungen einschränkten, sorgten in der jüngsten Vergangenheit für extreme Kursschwankungen. Darüber hinaus stellt sich die Frage, wie Regierungen reagieren würden, wenn virtuelle Währungen zu einer verbreiteten Alternative zu dem von Notenbanken gedruckten Geld werden würden. Jedenfalls sollte sich jeder, der sich für den Gebrauch von virtuellen Währungen interessiert, zunächst grundlegend in die Materie einarbeiten sollte. Schließlich besteht doch ein großer Unterschied zwischen gedruckten Banknoten und Münzen, die mithilfe von Algorithmen geschaffen werden.

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