Mt.Gox offline: Bitcoin-Börse geschlossen

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Statement von Mt.Gox CEO Mark Karpeles zur aktuellen Situation: Mt.Gox Statement zum Shutdown

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Die einst größte Bitcoin-Börse der Welt, Mt. Gox aus Japan, hat in der vergangenen Nacht den Handel eingestellt, die Website ist offline. Kurz zuvor wurde ein Dokument veröffentlicht, das angeblich die Insolvenz von Mt. Gox bestätigt. Ob dies der Wahrheit entspricht, ist derzeit nicht zu sagen. Es wäre jedoch nur eine logische Konsequenz der Ereignisse der vergangenen Wochen und Monate.

Mt.Gox seit ca. 3 Uhr MEZ offline

Die aus derzeitiger Sicht einzig sichere Information ist, dass Mt.Gox seine Webseite um etwa drei Uhr MEZ offline genommen hat.

Dieser Shutdown krönt eine Kette von vorhergegangenen Ereignissen (wir berichteten über das letzte Mt.Gox Update), die den Verdacht, Mt.Gox sei insolvent, befeuern: Vergangenen Donnerstag hat Mt. Gox sein Büro verlassen und ist in ein Ausweichquartier gezogen, das Gerüchten zufolge nur virtuell existiert. Vor einigen Tagen ist der CEO Mark Karpeless von seinem Sitz in der Bitcoin Foundation zurückgetreten, kurz darauf wurde der twitter-account von Mt. Gox gelöscht.

Fehlen Mt.Gox 750.000 Bitcoins?

In der vergangenen Nacht hat ein in der Bitcoin-Szene bekannter User, The To-Bit Idiot, ein Dokument geleakt, das nicht verifiziert ist, aber auf eine angeblich vertrauenswürdige Quelle zurückgeht. Er schrieb zunächst, das Dokument bestätige, dass Mt. Gox durch die zuletzt bekannt gewordenen technischen Probleme 750.000 Bitcoins verloren habe – was mehr ist, als die zum Verkauf angebotenen Bitcoins. Kurz darauf veröffentlichte The To-Bit Idiot das Dokument mit dem Titel “MtGox Situation: Crisis Strategy Draft“. Dieses nennt die erwähnten 750.000 verlorenen Bitcoins und stellt einen Notfallplan auf, um nicht nur Mt. Gox, sondern Bitcoin insgesamt zu retten. In einem ersten Schritt sollen durch Arbitrage-Käufe die verlorenen Coins teilweise wieder ersetzt werden. Danach soll Mt. Gox für etwa einen Monat offline gehen und eventuell in ein anderes Land auswandern. Nachdem der Bug gefixt ist, soll Mt. Gox wieder unter dem Namen “Gox” eröffnen, mit neuen Mitarbeitern, einem neuen Management und einer neuen Serviceorientierung. Das vielleicht erschreckendste an dem Dokument, falls es denn echt ist, ist die Gegenüberstellung von Einlagen und Verbindlichkeiten: Mt. Gox habe gut 32 Mio. US-Dollar und 2.000 Bitcoin Guthaben, schulde Kunden aber 55 Mio. US-Dollar und 744.408 Bitcoin. Das ergibt eine Differenz von weit mehr als 100 Millionen Dollar. Sollten diese Zahlen nur annhähernd der Wahrheit entsprechen, käme dies einem Supergau gleich.

Nur etwa fünf Minuten nach dem scheinbaren Leak stellte Mt. Gox den Handel ein. Zuletzt wurden 0,98 Bitcoins zum Preis von 135 Dollar gehandelt. Dies entspricht einem hohen Abschlag gegenüber dem regulären Marktpreis auf anderen Bitcoin-Börsen.

Pressemitteilung von Bitcoin-Unternehmen

Rund eine halbe Stunde später veröffentlichten mehrere namhafte US-amerikanische Bitcoin-Unternehmen, darunter Coinbase und Blockchain.info, eine Pressemitteilung betreffend der Lage von Mt. Gox, in der sie erklären, dass die Ereignisse um Mt. Gox nur auf die Fehler eines einzelnen Unternehmens zurückzuführen sind. An Bitcoin selbst sei alles in Ordnung, es gebe hunderte seriöse Bitcoin-Unternehmen. Die an der Pressemitteilung beteiligten Unternehmen kündigen an, in Kürze offenzulegen, dass sie sämtliche Kundeneinlagen sicher verwahren.

Fünf Minuten später geht Mt. Gox komplett offline, es ist nur noch eine leere Seite zu sehen.

Was sich in den letzten Wochen und Monaten schon abgezeichnet hat, ist jetzt scheinbar leider Realität geworden: Mt.Gox, einst größte Bitcoin-Börse der Welt, ist offline und steht Gerüchten zufolge vor der Insolvenz. Ein trauriges Kapitel in der Bitcoin-Geschichte, aber vielleicht auch eine notwenige Bereinigung.

Ob es sich hier um einen perfekt platzierten Fake handelt, der den Bitcoin Preis drücken soll, oder ob Mt. Gox tatsächlich Geschichte ist, wird sich wohl erst in den kommenden Tagen zeigen. Sicher ist wohl, dass dieses Ereignis ein kräftiges und negatives Medienecho finden wird.

Zuletzt nur noch 16% des Bitcoin-Handels über Mt.Gox

Auf Mt. Gox wurde in den vergangenen Tagen nur noch rund 16 Prozent des Bitcoin-Handels abgewickelt, vor einem Jahr waren es noch über 50 Prozent. Sollten wirklich 750.000 Bitcoins gestohlen oder verloren sein, würde dies mehr als 3,5 Prozent aller verfügbaren Bitcoins entsprechen. Würde ein Unternehmen dieser Größe im konventionellen Finanzsystem pleite gehen, wäre dies wohl ein Fall für “too big too fail” und der Staat bzw. die Steuerzahler würden zu Hilfe gerufen. In der Bitcoin-Wirtschaft, so viel ist sicher, ist dies ausgeschlossen.

Der Bitcoin-Kurs hält sich angesichts der unerfreulichen Nachrichten noch wacker, allerdings ist das Ereignis als logische Konsequenz der vergangenen Wochen und Monate wohl auch schon eingepreist.

Lehren aus der Mt.Gox Pleite

Mt.Gox hatte seit langer Zeit immer wieder mit Problemen zu kämpfen und wurde zusehends von seriöseren Bitcoin Börsen wie Bitstamp oder bitcoin.de verdrängt. Es mag ein schwacher Trost für Kunden von Mt.Gox sein, aber langfristig kann es nur positiv für Bitcoin sein, wenn sich unseriöse Unternehmen verabschieden und das Feld für bessere Dienstleister räumen.