Was ist Ripple?

Ripple: Was es ist und wie es funktioniert

Wenn man virtuelle Währungen nach ihrer Marktkapitalisierung [http://coinmarketcap.com/] bewertet, steht der Ripple hinter dem Bitcoin an zweithöchster Stelle. Bei einem Preis von 1,6 Dollar-Cent je Stück (17.02.) haben die 100 Milliarden Ripples einen Wert von fast 1,6 Milliarden Dollar. Das ist ziemlich viel für ein Zahlungssystem, das kaum benutzt wird, aber auch ziemlich wenig für ein System, das verspricht, das universelle Protokoll für Geld zu sein.

Als das Internet noch jung war, kursierten Email lediglich innerhalb einiger abgeschlossener Netze wie Compuserve oder Genie. Erst das SMTP-Protokoll hat die Email zu dem gemacht, was sie heute ist: Ein Medium, das keine Grenzen kennt. Ripple hat nun den Anspruch, die Rolle des SMTP-Protokolls für Geld zu spielen.

Entwickelt wurde Ripple eigentlich bereits 2004 von Ryan Fugger. Allerdings versank das System in der Bedeutungslosigkeit und weckte erst wieder ein breites Interesse, als es 2012 im Zuge des Bitcoin-Booms neu gestartet wurde. Jed McCaleb, Gründer von eDonkey sowie der Bitcoin-Börse MtGox, und Chris Larsen gründeten die Firma Open Labs, die das System weiterentwickeln sollte. Am 26. September 2013 änderte die Firma ihren Namen in Ripple Labs und veröffentlichte die Software, die nun Open Source ist.

Ripple – das Universalprotokoll für Geld

Es gibt zwei Aspekte von Ripple, die kaum zu überschätzen sind: Sein zukünftiges Potenzial und seine Kompliziertheit. Um Ripple zu begreifen, sollte man als erstes damit aufhören, ihn mit dem Bitcoin gleichzusetzen. Denn die Unterschiede könnten nicht größer sein.

In erster Linie ist Ripple keine Währung, sondern das Protokoll eines dezentralen Zahlungsnetzwerkes. Das Ripple-Wallet ist eine Art digitale Universalkreditkarte, die jede beliebige Währung und jede Art von Wertpapier aufnehmen kann und reibungslose, fast gebührenfreie und sekundenschnelle Transaktionen und Wechsel ermöglicht. Man kann Euro im Wallet haben und problemlos mit Yen, Bitcoin oder Gold bezahlen.

Laut RippleLaps ist das RTXP genannte Protokoll in seiner Tragweite mit dem Email-Protokoll SMTP zu vergleichen: So wie dieses zuvor getrennte Mail-Netzwerke verbunden hat, verbindet Ripple die getrennten Zahlungssysteme. Geld wird so ebenso leichtfüßig wie eine Email.

Ein wirklich reibungsloser Zahlungsfluss

Kommen wir zu den technischen Eckdaten: Die Ledger, der Consensus und die Gateways.

Die Ripple-Wallets können, wie gesagt, jede Währung und jede Werteinheit aufnehmen. Alles, was im Netzwerk der Ripple-Wallets passiert, wird in einer Ledger genannten Datenbank gespeichert: Transaktionen zwischen Wallets, Wechsel zwischen Währungen, Eingänge ins System. Die Datenbank ist offen einsehbar [http://rippledb.com/].

Alle paar Sekunden wird ein Schnappschuss der Ledger geschossen. Er beinhaltet die Balancen und Trust-Limits jedes Wallets und lässt sich dank seines Aufbaus als HashTree in einer einzigen Zahl wiedergeben. Über die Korrektheit dieses Ledgers, also über alle Veränderungen, stimmen alle mit dem Netzwerk verbundenen Computer ab, indem sie ihre Daten an ausgewählte Knoten im Netzwerk senden, die dann den aktuellen Ledger-Schnappschuss replizieren. Diesen Consensus genannten Vorgang bezeichnet RippleLabs als den „ingenieurtechnischen Durchbruch, der schnelle, sichere und dezentrale Transaktionen erlaubt“.

Da alle Transaktionen im Netzwerk, egal in welcher Währung, über das RTXP-Protokoll gehen, werden sie in wenigen Sekunden abgeschlossen. Égal ob dabei ein Euro von Deutschland nach Japan geht oder ob ein Shekel gegen einen Dollar getauscht wird.

Wie aber kommen die Währungen ins Ripple-Netzwerk hinein? Den Schlüssel hierfür bilden die Gateways. Diese sind eine Art Währungsdrehscheiben an der Schnittstelle zwischen Ripple und äußerer Welt, ob Bitcoin-Wallet oder Bank. Theoretisch sind endlos viele Gateways möglich, so dass jeder mit jedem tauschen kann. Aktuelle Beispiele sind die große Bitcoin-Börse Bitstamp, die kleine Bitcoin-Börse JustCoin oder RippleIsrael, wo man Shekel, aber auch Euro, Dollar, Bitcoin und Litecoin überführen kann, was in der Fachsprache „ripplen“ heißt.

Ein Beispiel: Um beinah gebührenfrei an Shekel zu kommen, kann ich einfach Bitcoins ripplen und diese bei RippleIsrael gegen Shekel tauschen. All das dauert nur wenige Sekunden. Anschließend kann ich die Shekel über das Gateway auf ein israelisches Bankkonto auszahlen lassen.

Eine weitere Schicht Schuldgeld

Wenn eine Währung gerippelt wurde, ist sie allerdings nicht wirklich auf der Wallet. Stattdessen erhält man Schuldscheine. Sowohl die Bitcoins als auch die Shekel liegen weiterhin auf den Servern und Bankkonten von RippleIsrael. Der Gateway garantiert lediglich, dass die jeweiligen Beträge vorhanden sind, sicher verwahrt und bei Bedarf ausbezahlt werden. In anderen Worten: Wenn Fiat-Währungen gerippelt werden, legt sich eine weitere Schicht des Schuldgeldes über sie; wenn Kryptowährungen wie Bitcoins gerippelt werden, verwandeln sie sich in Fiat-Währungen. Der Vorteil ist nun, dass das gerippelte Geld Flügel bekommen hat. Selbst Bitcoins, die innerhalb kürzester Zeit überweisbar sind, werden schneller, wenn sie sich im Ripple-Netzwerk bewegen.

Wäre Ripple bereits groß und so weit akzeptiert wie, sagen wir, Visa, dann könnte ich mit den Shekel auf meiner Ripple-Wallet vielleicht in israelischen Online-Shops Produkte bestellen, Hotelzimmer reservieren oder via Smartphone in Supermärkten bezahlen. Da die Shops dabei nicht wie beim Bitcoin eine andere Währung annehmen müssen, sondern lediglich ein anderes Zahlungssystem, könnte der Umstieg deutlich leichter fallen.

Derzeit ist Ripple jedoch noch weit davon entfernt, überhaupt nur ein Zahlungssystem zu sein. Es gibt nur einen Bruchteil so viele Wallets wie bei Bitcoin (kaum 50.000) und eigentlich keinen echten Shop, der Ripple akzeptiert, weshalb ich mit meinen Shekel letztlich nicht mehr machen kann, als sie über den Gateway auf ein israelisches Bankkonto auszuzahlen – was auch möglich gewesen wäre, wenn ich einfach Bitcoins auf die israelische Börse Bits of Gold einbezahlt hätte. Immerhin ist es möglich, über das Ripple-Netzwerk zwischen einigen Bitcoin-Börsen zu tunneln: Man kann beispielsweise Bitcoins von JustCoin zu Bitstamp in wenigen Sekunden senden, ohne etwa eine Stunde warten zu müssen, bis die Transaktion sechs Mal bestätigt wurde.

Allerdings geht man mit jedem Betrag auf der Ripple-Wallet ein Risiko ein: Man schenkt einem Gateway vertrauen. Was passiert, wenn er Gelder veruntreut oder insolvent geht, ist noch nicht wirklich klar. Möglich, dass die Gelder dann verschwenden werden. Wie es abläuft, wenn man sie zu diesem Zeitpunkt bereits ausgegeben hat, ist ebenfalls noch nicht geklärt.

Der XRP – die einzige echte Währung im Netzwerk

Die einzige echte, also nicht auf Schulden gebaute Währung im Ripple-Netz ist der Ripple (XRP). Er stellt die natürliche Währung des RTXP-Protokolls dar und ist „echt“ in dem Sinn, dass seine Existenz auf der Wallet nicht vom Vertrauen in einen Gateway abhängt. Ripples sind wie Bitcoins mit mathematischen (kryptographischen) Verfahren gestützt.

Die Ripples haben aber vor allem die Funktion, das Netzwerk vor Spam und Denial-of-Service-Attacken zu schützen. In einem offenen Netzwerk besteht stets die Gefahr, dass falsche Wallets eröffnet und die Ledger mit Mikrotransaktionen geflutet wird. Um dies zu verhindern benötigen Nutzer für jede Aktion eine winzige Menge Ripples. Zum einen wird eine kleine Anzahl Ripples verlangt, um die Wallet zu aktivieren (dazu später), zum anderen werden bei jeder Transaktion 0.00001 XRP zerstört. Diese Gebühr ist in der Regel für den Nutzer absolut vernachlässigbar. Allerdings steigt sie an, wenn das Netzwerk überladen wird, und schafft so einen Mechanismus der Selbstregulierung. Ein DoS-Angriff auf Ripple wird ziemlich schnell ziemlich teuer.

XRPs übernehmen zudem die Funktion einer Brückenwährung. Da jeder Gateway auch in Ripples wechselt, lässt sich über ihn jede Währung innerhalb von zwei Schritten erreichen. Zum Beispiel tauscht man Euro gegen Ripple und Ripple gegen Shekel. Oder Litecoins gegen Ripples und Ripples gegen Norwegische Kronen. Undsoweiter.

Insgesamt gibt es fast 100 Milliarden Ripples. Anders als Bitcoins und fast alle Altcoins werden sie nicht nach und nach erzeugt, indem Miner ihre Computer rechnen lassen, sondern wurden von den Entwicklern von Ripple auf einen Schlag geschöpft und zum allergrößten Teil (80 Milliarden) an RippleLabs übergeben, als diese das Protokoll übernahmen. RippleLabs hat angekündigt, rund 55 Milliarden XRP nach und nach an Nutzer des Netzwerkes zu verteilen. Den Rest behält die Firma, um die Entwicklung zu finanzieren und Ripple zu bewerben.

Wie viele XRP derzeit in Umlauf sind, ist schwer zu bestimmen. In der Kryptocoin-Szene gilt Ripple wegen dieser ungleichen und zentralen Verteilung oft nicht als Währung, sondern als Betrug. Man muss dieses harte Urteil nicht teilen, um zu raten, Ripples als Investment mit Vorsicht zu genießen: Die Distribution von XRP ist weit weniger transparent als die anderer virtueller Währungen und in unerhörtem Ausmaß unfair, was RippleLabs jederzeit die Möglichkeit gibt, den Preis zu manipulieren. Die Kursstabilität beruht einzig darauf, dass RippleLabs derzeit äußerst sparsam XRP verteilt.

Ripple an sich ist ein interessantes Zahlungsnetzwerk, das tatsächlich das Zeug hat, das Geld so zu verändern wie die Email den Brief. Allerdings müsste es dazu auch benutzt werden, und es muss beweisen, dass Konzepte wie die Ledger oder der Consensus auch technisch reif für eine Massennutzung sind. Derzeit sieht es so aus, als stagniere Ripple; die offiziellen Foren sind nicht im Ansatz so lebhaft wie die Bitcoin-Foren, eine Akzeptanz im Online-Handel ist nicht existent, und was RippleLabs, die ein theoretisches Vermögen von gut einer Milliarde Dollar in XRP halten, macht, weiß keiner so genau. Vor kurzem ist einer der Gründer, Caleb McJab, aus RippleLabs ausgestiegen, um ein Bitcoin-Projekt zu gründen.

Trotz dieser Bedenken beeindruckt das Konzept von Ripple durchaus. Das Potenzial ist, wenn das Netzwerk einmal wirklich genutzt wird, kaum zu überschätzen. Aber dies wird, falls überhaupt, erst in einigen Jahren so weit sein. Bis dahin beruht der Wert des Ripples noch mehr als der des Bitcoins auf Spekulation und Manipulation.

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